Rassismus, Intoleranz und sonst was im Kinderfernsehen
Die gestrige Youtubesession mit Corabora inklusive der Wiederentdeckung des vermeintlichen Kinderfilms "Watership Down", haben mir die Augen geöffnet, für das, was momentan in der Kinderentertainmentindustrie abgeht.
Nichts Gutes.
Ich sah vorhin "Die Zauberer vom Waverly Place", eine Disneysitcom, die momentan bis zum Erbrechen wiederholt und von aller Welt gefeiert wird. Sie überzeugt durch die männlichen Hauptdarsteller, die den Wortwitz und den typischen Slapstickgestus den Ansprüchen entsprechend transportieren. Schenkelklopfer für mein gediegenes Alter gibt es wenige, aber ab und zu darf man schmunzeln ;-). Die heutige Folge behandelte, dass Alex, die Tochter der Fernsehfamilie ein Praktikum bei einem Fashionmagazin annimmt. Um ihrem Vorgesetzten eins auszuwischen, möchte sie eine Modenschau mit "ugly clothes" arrangieren, die ihre beste Freundin Harper trägt und selbst herstellt (random: Ich LIEBE Harpers Klamotten! O__O) Schaut mal bei 3:40 rein, da könnt ihr ihren (unglaublichquietschysüßenschnuckeli Haarreifen sehen^^.
Das ist der erste Punkt, der mich so ungemein an der Serie stört. Harper wird als "Freak" dargestellt und dient sozusagen als Running Gag und Quotendummchen, wie man daran sieht, dass, obwohl Alex ihren Abscheu gegenüber Harpers Kleidungsstil oftmals zum Ausdruck bringt, sie das natürlich nicht mitbekommt. (siehe: 5:02-5:34)
Darf ich fragen, ob man automatisch ein Freak, ein Vollidiot, eine Dumpfbacke ist, nur weil man buntere, auffälligere Sachen trägt, die man eindeutig NICHT bei H&M oder sonstwo erstanden hat? Wenn man sich von der Masse der Anderen abgrenzt? Wenn man mal nicht mengenkonform ist? Tut mir Leid, aber Individualismus gehört auch in Amerika zu den größten Idealen, wird aber durch dieses Beispiel an Kinderentertainment *betonung!* völlig zunichte gemacht.
Ein weiteres, geniales Beispiel dafür ist auch der Auftritt Harpers in der Modezeitschriftzentrale. Alex führt sie herum und Harper zeigt sich folgendermaßen begeistert: "Wow, it's just like I imagined, it would be. Lots of cool people not making any contact with me!" (1:24-1:34).
....
Pardon me? Harper ist also deshalb nicht anerkannt, weil sie nicht "cool" ist? Und die als "self.conscious" beschriebenen Mitarbeiter von "Fashion Fatale" sind cool? Woran lässt sich das festmachen? Weil sie gerade das anhaben, was laut irgendwem im Trend liegt und sich gerade das weghungern, was weibliche Formen oder insgesamt ein gesundes, menschliches Erscheinungsbild ausmacht?
Nun ja, ich komme jetzt zu dem, was mich am allermeisten aufgeregt hat. Schaut bitte die Szene von 5:50-6:12. Der Dialog lautet, einmal auf englisch und einmal auf deutsch:
Alex: I have another idea, I wanna give you. Fashion for people who are not into fashion.
Jeffrey: Isn't that just any clothing store with the name "Barn" in it?
Dem gebildeten Ami dürfte jetzt die Kinnlade runterfallen, denn DressBarn ist ein Modelabel, das sich insbesondere auf die Anfertigung von Übergrößen für Frauen spezialisiert hat. Auf Deutsch klingt das Ganze noch ein wenig schnörkelloser.
Alex: Ich habe eine neue Idee. Mode für Menschen, die total unmodisch sind!
Jeffrey: Hat das nicht jeder Laden mit dem Wort "Übergrößen"?
Ist das nicht eine bodenlose Unverschämtheit? Das mag ja durchaus eine gelungene Parodie auf die übertriebene Modewelt sein, ABER! Dass Alex ihre an dieser Stelle mehr als angebrachte Empörung nicht zum Ausdruck bringt (sie lächelt dümmlich und geht nicht weiter darauf ein -..-), zeigt eine Geisteshaltung, die von so fassungsloser Intoleranz geprägt ist, dass ich mich frage, wieso das Kindern und jungen Erwachsenen präsentiert wird.
Die Moral, die man aus dieser Folge mitnimmt, ist: Übergewichtige sind unmodische, man sollte sich mit 14 (Alex' Alter) auf jeden Fall wie ein hirnloser Moderoboter benehmen, individueller, von der Norm abweichender Kleidungsstil ist uncool und führt niemals zum Erfolg (Harper hätte die Praktikumsstelle niemals bekommen, man beachte). Im Übrigen ist der starke Kontrast zwischen Alex und Harper auch daran festzumachen, dass sich Alex eindeutig "kürzer" kleidet. Sie trägt eine Hotpants in der Schlussszene, während Harper einen roten, weitgeschnittenen, knielangen Rock trägt. Dieses Bild von "weiblich" einerseits und "kindlich" andererseits vermittelt ebenfalls, dass das gerade erreichte Alter der Pubertät ein ganz unbedingter und unbestreitbarer Grund dafür ist, sich keinesfalls mehr süß, niedlich oder eben anders zu kleiden, als der beinzeigende, arschwackelnde, sehr schlanke Rest (Alex ist dünner als Harper, das ist klar zu sehen. -..-) Ich möchte damit nicht sagen, dass es ein Verbrechen ist, schlank zu sein, Gott bewahre!!! Aber ich sage, dass es eine absolut unverantwortliche Haltung ist, jungen Mädchen weißzumachen, mit 14 müsse man modebewusst und sexy wirken. Sexy ist anziehend im Sinne von sexuell anziehend. Und Sex hat bei 14jährigen etwas im Aufklärungsunterricht zu suchen und in ersten!!! Erfahrungen. Nicht im Ich-trage-einen-Minirock-also-bin-ich-es-wert-gefickt-zu-werden-Gehabe. Und gerade in der stilsuchenden Phase, aus der man sein Leben lang nicht rauskommt, muss man doch wohl Offenheit für anderes beweisen, sei es Kleidung, sei es eine andere Ideologie!
Ich weiß, ich bin ein Moralapostel der allerschlimmsten Sorte. Aber ich weiß auch, dass ich damals durch Cartoons und Animes gelernt habe, was Gut und was Böse ist und dass Toleranz, Gerechtigkeitssinn, Offenheit und Ehrlichkeit zu erlernbaren und geachteten Tugenden zählen. Heute lerne ich, dass Mode das Leben bestimmt. -..- In diesem Sinne...
Nichts Gutes.
Ich sah vorhin "Die Zauberer vom Waverly Place", eine Disneysitcom, die momentan bis zum Erbrechen wiederholt und von aller Welt gefeiert wird. Sie überzeugt durch die männlichen Hauptdarsteller, die den Wortwitz und den typischen Slapstickgestus den Ansprüchen entsprechend transportieren. Schenkelklopfer für mein gediegenes Alter gibt es wenige, aber ab und zu darf man schmunzeln ;-). Die heutige Folge behandelte, dass Alex, die Tochter der Fernsehfamilie ein Praktikum bei einem Fashionmagazin annimmt. Um ihrem Vorgesetzten eins auszuwischen, möchte sie eine Modenschau mit "ugly clothes" arrangieren, die ihre beste Freundin Harper trägt und selbst herstellt (random: Ich LIEBE Harpers Klamotten! O__O) Schaut mal bei 3:40 rein, da könnt ihr ihren (unglaublichquietschysüßenschnuckeli Haarreifen sehen^^.
Das ist der erste Punkt, der mich so ungemein an der Serie stört. Harper wird als "Freak" dargestellt und dient sozusagen als Running Gag und Quotendummchen, wie man daran sieht, dass, obwohl Alex ihren Abscheu gegenüber Harpers Kleidungsstil oftmals zum Ausdruck bringt, sie das natürlich nicht mitbekommt. (siehe: 5:02-5:34)
Darf ich fragen, ob man automatisch ein Freak, ein Vollidiot, eine Dumpfbacke ist, nur weil man buntere, auffälligere Sachen trägt, die man eindeutig NICHT bei H&M oder sonstwo erstanden hat? Wenn man sich von der Masse der Anderen abgrenzt? Wenn man mal nicht mengenkonform ist? Tut mir Leid, aber Individualismus gehört auch in Amerika zu den größten Idealen, wird aber durch dieses Beispiel an Kinderentertainment *betonung!* völlig zunichte gemacht.
Ein weiteres, geniales Beispiel dafür ist auch der Auftritt Harpers in der Modezeitschriftzentrale. Alex führt sie herum und Harper zeigt sich folgendermaßen begeistert: "Wow, it's just like I imagined, it would be. Lots of cool people not making any contact with me!" (1:24-1:34).
....
Pardon me? Harper ist also deshalb nicht anerkannt, weil sie nicht "cool" ist? Und die als "self.conscious" beschriebenen Mitarbeiter von "Fashion Fatale" sind cool? Woran lässt sich das festmachen? Weil sie gerade das anhaben, was laut irgendwem im Trend liegt und sich gerade das weghungern, was weibliche Formen oder insgesamt ein gesundes, menschliches Erscheinungsbild ausmacht?
Nun ja, ich komme jetzt zu dem, was mich am allermeisten aufgeregt hat. Schaut bitte die Szene von 5:50-6:12. Der Dialog lautet, einmal auf englisch und einmal auf deutsch:
Alex: I have another idea, I wanna give you. Fashion for people who are not into fashion.
Jeffrey: Isn't that just any clothing store with the name "Barn" in it?
Dem gebildeten Ami dürfte jetzt die Kinnlade runterfallen, denn DressBarn ist ein Modelabel, das sich insbesondere auf die Anfertigung von Übergrößen für Frauen spezialisiert hat. Auf Deutsch klingt das Ganze noch ein wenig schnörkelloser.
Alex: Ich habe eine neue Idee. Mode für Menschen, die total unmodisch sind!
Jeffrey: Hat das nicht jeder Laden mit dem Wort "Übergrößen"?
Ist das nicht eine bodenlose Unverschämtheit? Das mag ja durchaus eine gelungene Parodie auf die übertriebene Modewelt sein, ABER! Dass Alex ihre an dieser Stelle mehr als angebrachte Empörung nicht zum Ausdruck bringt (sie lächelt dümmlich und geht nicht weiter darauf ein -..-), zeigt eine Geisteshaltung, die von so fassungsloser Intoleranz geprägt ist, dass ich mich frage, wieso das Kindern und jungen Erwachsenen präsentiert wird.
Die Moral, die man aus dieser Folge mitnimmt, ist: Übergewichtige sind unmodische, man sollte sich mit 14 (Alex' Alter) auf jeden Fall wie ein hirnloser Moderoboter benehmen, individueller, von der Norm abweichender Kleidungsstil ist uncool und führt niemals zum Erfolg (Harper hätte die Praktikumsstelle niemals bekommen, man beachte). Im Übrigen ist der starke Kontrast zwischen Alex und Harper auch daran festzumachen, dass sich Alex eindeutig "kürzer" kleidet. Sie trägt eine Hotpants in der Schlussszene, während Harper einen roten, weitgeschnittenen, knielangen Rock trägt. Dieses Bild von "weiblich" einerseits und "kindlich" andererseits vermittelt ebenfalls, dass das gerade erreichte Alter der Pubertät ein ganz unbedingter und unbestreitbarer Grund dafür ist, sich keinesfalls mehr süß, niedlich oder eben anders zu kleiden, als der beinzeigende, arschwackelnde, sehr schlanke Rest (Alex ist dünner als Harper, das ist klar zu sehen. -..-) Ich möchte damit nicht sagen, dass es ein Verbrechen ist, schlank zu sein, Gott bewahre!!! Aber ich sage, dass es eine absolut unverantwortliche Haltung ist, jungen Mädchen weißzumachen, mit 14 müsse man modebewusst und sexy wirken. Sexy ist anziehend im Sinne von sexuell anziehend. Und Sex hat bei 14jährigen etwas im Aufklärungsunterricht zu suchen und in ersten!!! Erfahrungen. Nicht im Ich-trage-einen-Minirock-also-bin-ich-es-wert-gefickt-zu-werden-Gehabe. Und gerade in der stilsuchenden Phase, aus der man sein Leben lang nicht rauskommt, muss man doch wohl Offenheit für anderes beweisen, sei es Kleidung, sei es eine andere Ideologie!
Ich weiß, ich bin ein Moralapostel der allerschlimmsten Sorte. Aber ich weiß auch, dass ich damals durch Cartoons und Animes gelernt habe, was Gut und was Böse ist und dass Toleranz, Gerechtigkeitssinn, Offenheit und Ehrlichkeit zu erlernbaren und geachteten Tugenden zählen. Heute lerne ich, dass Mode das Leben bestimmt. -..- In diesem Sinne...
