Mal wieder die Welt verbessern...
Ich habe mich ja schon oft zur zunehmenden Sexualisierung der Gesellschaft geäußert, meist minder eloquent und nur mit dem üblichen "Rhäbäh-dass-s-voll-scheiße!"-Gelaber, doch jetzt habe ich vor, das Ganze etwas ernsthafter aufzuziehen. Zum Einen, weil ich nun einen Aufhänger für meine Thesen gefunden habe und zum Anderen, weil ich mich ganz ganz dringend vor Französisch drücken will. XD
Dass die heutige Gesellschaft viel visuell-sexueller ist als frühere Systeme ist hinlänglich bekannt. Niemanden stört es mehr, in Modekatalogen den Po von Unterwäschemodels zu sehen und nur wenige kehren verschämt aus dem Beate-Uhse-Laden nach Hause zurück. Sex und die damit verbundende Austellung menschlicher Körper (ich seh jetzt von Sodomie einfach mal ab, das ist "ein zu weites Feld" XD XD XD) ist ein Phänomen, das seit der sexuellen Revolution der 60er und 70er Jahre vor allem durch Professoren wie Alfred Charles Kinsley vorangetrieben bzw. überhaupt erst ausgelöst wurde. Durch Kinsley geriet Sex ins Zentrum der öffentlichen Meinung und löste seitens konservativer Gruppen massive Proteste aus, die sich aber, nicht durchsetzen konnten. Heutzutage redet die gesamte Menschheit offen, gerne, lang und manchmal auch laut über Sex und Sexualpraktiken - von einigen, immer noch religiös oder anderweitig traditionell geprägten Gesellschaften abgesehen, wie etwa strengen Glaubensgemeinschaften, die ihre verschämte Haltung gegenüber dem Beischlaf immer noch nicht abgelegt haben.
Was für Vorteile die sexuelle Revolution gebracht hat, kann niemand bestreiten: frühere Aufklärung von Jungen und Mädchen führte zu einem bewussteren Umgang mit der Gefahr von sexuell übertragbaren Krankheiten, die Homosexuellenbewegung startete ihren bisher relativ erfolgreichen Kampf (der leider immer noch nicht beendet ist, aber das ist ein anderes Thema) gegen die Unterdrückung, die Erforschung von Krankheiten wie Aids, oder sexuell bedingten Psychosen wurde gefördert und insgesamt wuchs die Toleranz gegenüber Sexualität.
So weit, so gut, möchte man sagen, das sind alles positive Entwicklungen ohne die unser heutiger Lebensstandard bestimmt nicht erreicht worden wäre. Doch neben all der Lust am nackten Körper und seinen sexuellen Fähigkeiten vergisst man oft, dass es eben genau den zum Sex braucht. Beziehungsweise vergisst man gerade das nicht, doch man reduziert sexuelles Verhalten und Verlangen auf Körperlichkeit und ignoriert, dass es einen Menschen, d.h. ein denkendes, fühlendes Wesen zum Sex braucht.
Im Jahr 2007 lag die strafrechtlich aufgenommene Anzahl der Vergewaltigungen bei rund 7500 Fällen - immerhin mehr als 5000 Fälle mehr als bei Mord und Totschlag, wenn auch bei weitem nicht die größte Zahl. Dennoch: in einem demokratischen, humanistischen, wohlhabenden Staat wie Deutschland gibt es mehr als 7000 Frauen und Männer, die zu sexuellen Handlungen gegen ihren Willen gezwungen wurden und die Dunkelziffer liegt, wie immer, deutlich höher. (Quelle: BKA).
Bei Kindesmissbrauch sieht die Quote folgendermaßen aus: 13000 Fälle in den alten und neuen Bundesländern zusammen . Auch hier reicht die behördliche Taschenlampe natürlich nicht in alle Dunkelzifferecken.
Sexuelle Übergriffe als Folge der gesellschaftlichen Sexualisierung? Ich gebe zu, das klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich haltbar, immerhin kann man argumentieren, dass die mediale Situation ein ungeheures Wachstum erhalten hat, wodurch der Informationsfluss bezüglich solcher Fälle natürlich ebenfalls drastisch angestiegen ist. Oder man könnte sagen, dass doch trotz allem ein Rückgang zu verzeichnen ist, da 2003 die erfassten Fälle von Vergewaltigungen noch bei mehr als 8000 lagen, bei Kindesmissbrauch sogar noch bei knapp 16000.
Dagegen ist absolut nichts einzuwenden, im Gegenteil, gerade die Sensibilisierung der Öffentlichkeit bezüglich dieses Themas sorgt mit Sicherheit für solch einen Rückgang: Selbstverteidigungskurse für Mädchen, Aufklärung in strafrechtlicher Hinsicht im Politikunterricht bezüglich sexueller Nötigung und mindestens zwei Fälle von Sexualverbrechen in sämtlichen Medien einmal die Woche sind ein beispielloser Versuch etwas gegen Vergewaltigungen zu unternehmen, was nicht gleich mit öffentlicher Kastrierung oder Erhängung zu tun haben muss (kein Witz, in mittelalterlichen Zeiten ging das wirklich so zu!).
Allerdings dienen die Statistiken nicht dem einzelnen Individuum, welches mit psychischen Störungen und einer geschockten Nachbarschaft zu kämpfen hat und möglicherweise mit ansehen muss, wie der oder die Vergewaltiger/in ungestraft davon kommt, weil ein Mangel an Beweisen herrscht.
Weiterhin erklären die Statistiken auch nicht, woher diese abartige Selbstverständlichkeit von Vergewaltigung in Kriegen oder sonstigen Auseinandersetzungen kommt. Vergewaltigung gehört mittlerweile schon fest zum Folterinventar. Oder weshalb der berühmt-berüchtigte GangstaRap auf Wikipedia solche Spuren hinterlässt:"Gangsta Rap hingegen konzentriert sich ausschließlich auf jenen kriminellen Bereich des Lebens und glorifiziert dabei die einzelnen Aspekte wie den Drogenhandel, Zuhälterei, Mord und Ungerechtigkeit. Der Stil ist das bisher kommerziell erfolgreichste Subgenre des Hip-Hops und war besonders Mitte und Ende der 1990er die in den Charts dominierende Hip-Hop-Untergruppe."
Glorifizierung von Zuhälterei, d.h. ein Gutheißen von Prostitution und Unterdrückung des weiblichen Geschlechts gehörte zu dem, was kommerziell erfolgreich war. Eine reichlich erschreckende Vorstellung (ja, verdammt, die olle Kassandra hat Spuren hinterlassen!), selbst wenn sie nur von einigen schwarzen Schafen dieses Genres geprägt wurde. (no pun intended, 'tschuldigung!)
Woher kommt diese Reduktion aufs Körperliche, aufs Fleischliche bei Frauen? Woher kommt die geringe Selbstachtung beim weiblichen Geschlecht selbst, das diese Reduktion durch Kleidung, Verhalten und Sprache fördert?
100000 Frauen zwischen 15 und 35 litten 2007 an Magersucht, Dunkelziffer: um einiges höher. (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), der wohl bekanntesten psychisch bedingten Essstörung, die wie keine andere, einen riesigen Medienrummel erfahren hat, man erinnere sich nur an den Hype um die Geschwister Liesbeth und Angelique Raeven, die 2008 für ordentlich Wirbel um Gesundheit, Krankheit und Wahn in der Modebranche und im Medienbild von Frauen allgemein sorgten.
Endlich, endlich hab ich die Medien erwähnt und bin damit zu meinem Lieblingsthema gekommen. Die Beeinflussung junger Mädchen hin zu einem deformierten Körper- und Verhaltensbild besteht ja nicht erst seit Barbie und Co., doch sie nimmt - trotz der Gefahren, die man solchen Darstellungen vom vermeintlich "perfekten, weiblichen Körper" mittlerweile zuspricht - auch nicht ab und das, genau das, ist das Erschreckendste für mich, wenn es zum Thema Manipulation von Kindern kommt: Obwohl man weiß, in welchem Maße sich gerade junge Mädchen von Schönheitsidealen leiten lassen, unternimmt man rein gar nichts gegen falsche, kranke Vorstellungen, sondern lässt sie fröhlich weiter durch die abendländische Medienwelt purzeln.
Ein Beispiel? Die Serie "Winx-Club", mein neuer persönlicher Todfeind, wenn es um die Sexualisierung von Kindern geht. Ich stelle hier die "Verwandlung" der Mädchen in die Feengestalten rein. Achtet mal darauf, auf welchen Körperteilen besonders lang und gern verweilt wird:
Nanu? Superheldinnen mit Flügeln und kurzen Röcken? Erinnert das nicht an Sailor Moon? Ja, tut es. Transformationen sind ein beliebtes und absolut notwendiges in Magical-Girl-Serien (Winx, obwohl italienisch-englisch, zähle ich einfach mal dazu), Sailor Moon, die aus roten Bändern, Federn und blinkenden Lichtern ein Kostüm bekam, dürfte da mit Sicherheit noch einigen als Urmutter im Kopf sein. Doch Winx Club stellt alles in den Schatten, was ich bisher gesehen habe: Besonders Layla (die grüne letzte), Tecna (die mittlere in lila) und Stella (die blonde, orange) dienen einzig und allein als Portrait für - mit Verlaub - Titten und Ärsche. Sexualisierung des Frauenbildes auf ganz subtile Weise? Wohl kaum. Die Musik geht ins Ohr, die Farben sind klar, damit auch für jüngere Kinder durchaus positiv zu assozieren und wer würde den Heldinnen in ihren kurzen Röcken und noch kürzeren Oberteilen mit einer Tasche als magischem Verstärker schon den Erfolg absprechen wollen?
Hier wird einzig und allein ein Wert vermittelt: Sei schlank, sei modisch, sei möglichst unschuldig und schon stehen dir alle Türen offen. Besonders erschreckend finde ich Laylas Gesichtsausdruck: Den Kopf legt sie in den Nacken, die Augen sind zugekniffen und der Mund geöffnet. Bin ich die Einzige, die das etwas Sexuelles sieht? Abgesehen von ihren monströsen, völlig überschminkten Lippen natürlich. Auch Flora (die dunkle, mit den langen brauen Haaren), mit ihrem seltsamen Augenaufschlag und den halbgeöffneten Lippen weckt bei Älteren unwillkürlich sexuelle Assoziationen (oder bin ich da allein? O.o), vor allem, wenn ihr bikiniartiges Kleid erscheint.
Stellas Pose - Hüfte raus, Oberkörper weit nach vorne, sodass das Bikinioberteil gut zu sehen ist - hat ebenfalls etwas von sexueller Hörigkeit, die trotz oder gerade wegen des verschmitzten Grinsens zum Ausdruck kommt.
Die Liste ließe sich ewig fortführen, doch ich glaube, dass "Winx Club" einen nicht unerheblichen Anteil daran trägt, dass sich junge Mädchen - die Zielgruppe liegt bei den Acht- bis Zwolfjährigen - in ein Rollenbild hineingedrängt sehen, das vielleicht nicht so sehr von Kinder, Kirche, Küche, dafür aber von Mode, Schlankheitswahn und Sexualität geprägt ist. Und für mich ist weder das Eine noch das Andere wünschenswert. Der einzige Vorteil, den ich in der Serie sehe, ist, dass die Heldinnen alle zwischen 16 und 17 Jahre als sind. Was bei der bereits angesprochenen Zielgruppe natürlich absolut nichts bringt, denn welche Achtjährige sagt sich, "Hey, da warte ich doch glatt, bis ich 16 bin, um so auszusehen und so erfolgreich zu sein!"
Selbstverständlich bringt es nichts, solche Serien zu verbieten oder zu zensieren (HAHAHAHAHHAH! an dieser Stelle von einer, die sich "Hulk" im Kino ansehen musste, nachdem die Kastratenschere der Zensur ihn verstümmelte!!!), es erfordert ein gesellschaftlich völlig neues Moral- und Verantwortungsverständnis, das nicht bei ein paar Magersuchtsbildern im Biobuch aufhören darf, sondern bei solchen Medien wie dem Fernsehen, die Kinder direkt und unvermittelt und mit dem allergrößten Einfluss ansprechen anfangen muss.
Eine Lösung wäre vielleicht so etwas:
Man trägt sogar Hosen unter den Röckchen. Auch hier liegt die Zielgruppe bei den Acht- bis Zwölfjährigen.
Dass die heutige Gesellschaft viel visuell-sexueller ist als frühere Systeme ist hinlänglich bekannt. Niemanden stört es mehr, in Modekatalogen den Po von Unterwäschemodels zu sehen und nur wenige kehren verschämt aus dem Beate-Uhse-Laden nach Hause zurück. Sex und die damit verbundende Austellung menschlicher Körper (ich seh jetzt von Sodomie einfach mal ab, das ist "ein zu weites Feld" XD XD XD) ist ein Phänomen, das seit der sexuellen Revolution der 60er und 70er Jahre vor allem durch Professoren wie Alfred Charles Kinsley vorangetrieben bzw. überhaupt erst ausgelöst wurde. Durch Kinsley geriet Sex ins Zentrum der öffentlichen Meinung und löste seitens konservativer Gruppen massive Proteste aus, die sich aber, nicht durchsetzen konnten. Heutzutage redet die gesamte Menschheit offen, gerne, lang und manchmal auch laut über Sex und Sexualpraktiken - von einigen, immer noch religiös oder anderweitig traditionell geprägten Gesellschaften abgesehen, wie etwa strengen Glaubensgemeinschaften, die ihre verschämte Haltung gegenüber dem Beischlaf immer noch nicht abgelegt haben.
Was für Vorteile die sexuelle Revolution gebracht hat, kann niemand bestreiten: frühere Aufklärung von Jungen und Mädchen führte zu einem bewussteren Umgang mit der Gefahr von sexuell übertragbaren Krankheiten, die Homosexuellenbewegung startete ihren bisher relativ erfolgreichen Kampf (der leider immer noch nicht beendet ist, aber das ist ein anderes Thema) gegen die Unterdrückung, die Erforschung von Krankheiten wie Aids, oder sexuell bedingten Psychosen wurde gefördert und insgesamt wuchs die Toleranz gegenüber Sexualität.
So weit, so gut, möchte man sagen, das sind alles positive Entwicklungen ohne die unser heutiger Lebensstandard bestimmt nicht erreicht worden wäre. Doch neben all der Lust am nackten Körper und seinen sexuellen Fähigkeiten vergisst man oft, dass es eben genau den zum Sex braucht. Beziehungsweise vergisst man gerade das nicht, doch man reduziert sexuelles Verhalten und Verlangen auf Körperlichkeit und ignoriert, dass es einen Menschen, d.h. ein denkendes, fühlendes Wesen zum Sex braucht.
Im Jahr 2007 lag die strafrechtlich aufgenommene Anzahl der Vergewaltigungen bei rund 7500 Fällen - immerhin mehr als 5000 Fälle mehr als bei Mord und Totschlag, wenn auch bei weitem nicht die größte Zahl. Dennoch: in einem demokratischen, humanistischen, wohlhabenden Staat wie Deutschland gibt es mehr als 7000 Frauen und Männer, die zu sexuellen Handlungen gegen ihren Willen gezwungen wurden und die Dunkelziffer liegt, wie immer, deutlich höher. (Quelle: BKA).
Bei Kindesmissbrauch sieht die Quote folgendermaßen aus: 13000 Fälle in den alten und neuen Bundesländern zusammen . Auch hier reicht die behördliche Taschenlampe natürlich nicht in alle Dunkelzifferecken.
Sexuelle Übergriffe als Folge der gesellschaftlichen Sexualisierung? Ich gebe zu, das klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich haltbar, immerhin kann man argumentieren, dass die mediale Situation ein ungeheures Wachstum erhalten hat, wodurch der Informationsfluss bezüglich solcher Fälle natürlich ebenfalls drastisch angestiegen ist. Oder man könnte sagen, dass doch trotz allem ein Rückgang zu verzeichnen ist, da 2003 die erfassten Fälle von Vergewaltigungen noch bei mehr als 8000 lagen, bei Kindesmissbrauch sogar noch bei knapp 16000.
Dagegen ist absolut nichts einzuwenden, im Gegenteil, gerade die Sensibilisierung der Öffentlichkeit bezüglich dieses Themas sorgt mit Sicherheit für solch einen Rückgang: Selbstverteidigungskurse für Mädchen, Aufklärung in strafrechtlicher Hinsicht im Politikunterricht bezüglich sexueller Nötigung und mindestens zwei Fälle von Sexualverbrechen in sämtlichen Medien einmal die Woche sind ein beispielloser Versuch etwas gegen Vergewaltigungen zu unternehmen, was nicht gleich mit öffentlicher Kastrierung oder Erhängung zu tun haben muss (kein Witz, in mittelalterlichen Zeiten ging das wirklich so zu!).
Allerdings dienen die Statistiken nicht dem einzelnen Individuum, welches mit psychischen Störungen und einer geschockten Nachbarschaft zu kämpfen hat und möglicherweise mit ansehen muss, wie der oder die Vergewaltiger/in ungestraft davon kommt, weil ein Mangel an Beweisen herrscht.
Weiterhin erklären die Statistiken auch nicht, woher diese abartige Selbstverständlichkeit von Vergewaltigung in Kriegen oder sonstigen Auseinandersetzungen kommt. Vergewaltigung gehört mittlerweile schon fest zum Folterinventar. Oder weshalb der berühmt-berüchtigte GangstaRap auf Wikipedia solche Spuren hinterlässt:"Gangsta Rap hingegen konzentriert sich ausschließlich auf jenen kriminellen Bereich des Lebens und glorifiziert dabei die einzelnen Aspekte wie den Drogenhandel, Zuhälterei, Mord und Ungerechtigkeit. Der Stil ist das bisher kommerziell erfolgreichste Subgenre des Hip-Hops und war besonders Mitte und Ende der 1990er die in den Charts dominierende Hip-Hop-Untergruppe."
Glorifizierung von Zuhälterei, d.h. ein Gutheißen von Prostitution und Unterdrückung des weiblichen Geschlechts gehörte zu dem, was kommerziell erfolgreich war. Eine reichlich erschreckende Vorstellung (ja, verdammt, die olle Kassandra hat Spuren hinterlassen!), selbst wenn sie nur von einigen schwarzen Schafen dieses Genres geprägt wurde. (no pun intended, 'tschuldigung!)
Woher kommt diese Reduktion aufs Körperliche, aufs Fleischliche bei Frauen? Woher kommt die geringe Selbstachtung beim weiblichen Geschlecht selbst, das diese Reduktion durch Kleidung, Verhalten und Sprache fördert?
100000 Frauen zwischen 15 und 35 litten 2007 an Magersucht, Dunkelziffer: um einiges höher. (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), der wohl bekanntesten psychisch bedingten Essstörung, die wie keine andere, einen riesigen Medienrummel erfahren hat, man erinnere sich nur an den Hype um die Geschwister Liesbeth und Angelique Raeven, die 2008 für ordentlich Wirbel um Gesundheit, Krankheit und Wahn in der Modebranche und im Medienbild von Frauen allgemein sorgten.
Endlich, endlich hab ich die Medien erwähnt und bin damit zu meinem Lieblingsthema gekommen. Die Beeinflussung junger Mädchen hin zu einem deformierten Körper- und Verhaltensbild besteht ja nicht erst seit Barbie und Co., doch sie nimmt - trotz der Gefahren, die man solchen Darstellungen vom vermeintlich "perfekten, weiblichen Körper" mittlerweile zuspricht - auch nicht ab und das, genau das, ist das Erschreckendste für mich, wenn es zum Thema Manipulation von Kindern kommt: Obwohl man weiß, in welchem Maße sich gerade junge Mädchen von Schönheitsidealen leiten lassen, unternimmt man rein gar nichts gegen falsche, kranke Vorstellungen, sondern lässt sie fröhlich weiter durch die abendländische Medienwelt purzeln.
Ein Beispiel? Die Serie "Winx-Club", mein neuer persönlicher Todfeind, wenn es um die Sexualisierung von Kindern geht. Ich stelle hier die "Verwandlung" der Mädchen in die Feengestalten rein. Achtet mal darauf, auf welchen Körperteilen besonders lang und gern verweilt wird:
Nanu? Superheldinnen mit Flügeln und kurzen Röcken? Erinnert das nicht an Sailor Moon? Ja, tut es. Transformationen sind ein beliebtes und absolut notwendiges in Magical-Girl-Serien (Winx, obwohl italienisch-englisch, zähle ich einfach mal dazu), Sailor Moon, die aus roten Bändern, Federn und blinkenden Lichtern ein Kostüm bekam, dürfte da mit Sicherheit noch einigen als Urmutter im Kopf sein. Doch Winx Club stellt alles in den Schatten, was ich bisher gesehen habe: Besonders Layla (die grüne letzte), Tecna (die mittlere in lila) und Stella (die blonde, orange) dienen einzig und allein als Portrait für - mit Verlaub - Titten und Ärsche. Sexualisierung des Frauenbildes auf ganz subtile Weise? Wohl kaum. Die Musik geht ins Ohr, die Farben sind klar, damit auch für jüngere Kinder durchaus positiv zu assozieren und wer würde den Heldinnen in ihren kurzen Röcken und noch kürzeren Oberteilen mit einer Tasche als magischem Verstärker schon den Erfolg absprechen wollen?
Hier wird einzig und allein ein Wert vermittelt: Sei schlank, sei modisch, sei möglichst unschuldig und schon stehen dir alle Türen offen. Besonders erschreckend finde ich Laylas Gesichtsausdruck: Den Kopf legt sie in den Nacken, die Augen sind zugekniffen und der Mund geöffnet. Bin ich die Einzige, die das etwas Sexuelles sieht? Abgesehen von ihren monströsen, völlig überschminkten Lippen natürlich. Auch Flora (die dunkle, mit den langen brauen Haaren), mit ihrem seltsamen Augenaufschlag und den halbgeöffneten Lippen weckt bei Älteren unwillkürlich sexuelle Assoziationen (oder bin ich da allein? O.o), vor allem, wenn ihr bikiniartiges Kleid erscheint.
Stellas Pose - Hüfte raus, Oberkörper weit nach vorne, sodass das Bikinioberteil gut zu sehen ist - hat ebenfalls etwas von sexueller Hörigkeit, die trotz oder gerade wegen des verschmitzten Grinsens zum Ausdruck kommt.
Die Liste ließe sich ewig fortführen, doch ich glaube, dass "Winx Club" einen nicht unerheblichen Anteil daran trägt, dass sich junge Mädchen - die Zielgruppe liegt bei den Acht- bis Zwolfjährigen - in ein Rollenbild hineingedrängt sehen, das vielleicht nicht so sehr von Kinder, Kirche, Küche, dafür aber von Mode, Schlankheitswahn und Sexualität geprägt ist. Und für mich ist weder das Eine noch das Andere wünschenswert. Der einzige Vorteil, den ich in der Serie sehe, ist, dass die Heldinnen alle zwischen 16 und 17 Jahre als sind. Was bei der bereits angesprochenen Zielgruppe natürlich absolut nichts bringt, denn welche Achtjährige sagt sich, "Hey, da warte ich doch glatt, bis ich 16 bin, um so auszusehen und so erfolgreich zu sein!"
Selbstverständlich bringt es nichts, solche Serien zu verbieten oder zu zensieren (HAHAHAHAHHAH! an dieser Stelle von einer, die sich "Hulk" im Kino ansehen musste, nachdem die Kastratenschere der Zensur ihn verstümmelte!!!), es erfordert ein gesellschaftlich völlig neues Moral- und Verantwortungsverständnis, das nicht bei ein paar Magersuchtsbildern im Biobuch aufhören darf, sondern bei solchen Medien wie dem Fernsehen, die Kinder direkt und unvermittelt und mit dem allergrößten Einfluss ansprechen anfangen muss.
Eine Lösung wäre vielleicht so etwas:
Man trägt sogar Hosen unter den Röckchen. Auch hier liegt die Zielgruppe bei den Acht- bis Zwölfjährigen.

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ABER SCHÖN DASSU NOCH LEBST Q____Q *sich schon Sorgen machte*