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(Bild geklaut von goodreads)

Auch ein Massenmörder muss an seine Rente denken. Erst recht nach 18 Jahren Gemetzel und einer höllischen Menge Bourbon. Und so kommt es, dass der berüchtigte Bourbon Kid seinen Job an den Nagel hängen will. Doch so einfach ist das nicht. Der Mönch Peto ist ihm auf den Fersen, denn Bourbon Kid hat alle Mitbrüder des Mönchs auf dem Gewissen. Außerdem trachten ihm diverse Zeitgenossen nach dem Leben: eine Reihe von Vampiren und Söldnern, eine Mumie, ein neuer Dunkler Lord - die Liste scheint endlos. Rente hin oder her. Bourbon Kid hat die Nase voll und erstellt seine eigene Abschussliste. Und diesmal verschont er niemanden.


Okay, warum zum Teufel, höre ich nie auf den Klappentext?
Der sagt nämlich Folgendes aus:  „So abgedreht wie Douglas Adams, so blutig wie Quentin Tarantino“ oder „[…]Tarantino hätte seine Freunde daran.“

Dieses Buch ist in der Tat ein wilder blutiger Ritt ganz im Sinne von Tarantinos „Pulp Fiction“ – was den irren, ineinander verschlungenen Plot angeht – und von seinem „From Dusk till Dawn" (jaja, blahblah, eigentlich Rodriguez-Regie, Tarantino hat trotzdem das Buch geschrieben) mit all seinen Vampiren, Monstern und blutigen Feuergefechten.

Ich muss zugeben, dass ich das erste Buch („Das Buch ohne Namen“) nicht gelesen habe, doch da „Das Buch ohne Staben“ viel Zeit auf die Hintergrundgeschichte der Protagonisten aufwendet, fiel mir der Zugang zur Handlung recht leicht. Selbst ohne die gefühlten fünfzigtausend Anspielungen und überraschenden Auflösungen, die ein Kenner des ersten Bandes wahrscheinlich aus der Lektüre mitnehmen kann blieben schließlich immer noch fünftausend andere kleine Details übrig, die dafür sorgten, dass praktisch auf jeder Seite etwas Neues passierte oder jemand Neues auftauchte und es beinah unmöglich machten, das Buch aus der Hand zu legen.

Ganz im Sinne von Tarantino kommen auch die Charaktere daher – heißt niemand ist auch nur ansatzweise sympathisch und heißt weiterhin, dass ich das Buch am liebsten in eine Ecke gepfeffert hätte, es aber aus morbider Neugier heraus nicht konnte. Es gab keinen einzigen Charakter, der mich ansatzweise interessiert hätte, und sofern ich niemanden mag, ist es mir auch vollkommen egal, was die einzelnen Gestalten so erleben. Das einzige, was mich bei der Stange hielt, war eben die rasante Entwicklung des Plots.

Ein Großteil dieser Abneigung für die Protagonisten lässt sich wahrscheinlich auf die abstoßende Darstellung sämtlicher männlicher Handlungstreibender zurückführen, die allesamt Sadisten, Vergewaltiger oder Massenmörder sind – es gibt eine Ausnahme und dem fällt die zauberhafte Aufgabe zu, seine Freundin vor einer Vergewaltigung zu schützen.

In beinah jeder Szene, die eine Frau involviert, wird erwähnt, wie sehr jemand selbige flachlegen will, oder wie sehr die Frau vom Sex mit random-guy XY begeistert war. Das Ganze ist dann untermalt von „lüsternen Griffen“ oder „riesigen Möpsen“ und meine Güte, da war der letzte Til Schweiger-Tatort ja weniger frauenfeindlich. Meine Güte.

Es gibt unzählige Anspielungen auf Vergewaltigungen, zwei Vergewaltigungsszenen, rape jokes, eine off-screen-Vergewaltigung mit anschließendem Mord aus Auslöser für „man pain“ und bei Gott, die… fünf weiblichen Protagonisten werden entweder vergewaltigt, ermordet oder zum Rumsitzen und Warten auf ihren blutigen Volltrottel von Helden verdammt. Ein Hauptcharakter ist unfähig, eine Tür zu öffnen – EINE TÜR ZU ÖFFNEN. Sie hat kein Trauma, was Türen angeht, sie ist eigentlich recht schlau, wenn auch nervös in besagter Szene… was soll das. WAS SOLL DAS.

Wow. Ich entschuldige mich, Tarantino, ich mag dich ja eigentlich nicht. Aber in deinen verdammten Filmen dürfen sich die Ladies wenigstens selbst retten und werden nicht für MAN PAIN in Stücke zerhackt.

Ich erwarte kein sonderlich feministisches Buch, wenn ich 'urban fantasy' (im allerweitesten Sinne) anfasse – aber ich erwarte, dass ich nicht auf jeder Seite kotzen muss, weil mir Sexismus und Sadismus links und rechts um die Ohren klatschen. Es tut mir fast Leid, dass der Autor anonym bleibt – ich wüsste gern, von wem ich mich in Zukunft fernhalten darf, weil es ihm oder ihr anscheinend leichter fällt, sich in die Gedankenwelt eines Vergewaltigers einzufügen, als eine vernünftige Frauenfigur zu kreieren (wenn beides gleich gut funktionieren würde, wäre ich nicht so in Rage).

Bonus:
Ein weiterer Rat: bleibt von der deutschen Übersetzung weg (oder gleich vom ganzen Buch, aber das ist schließlich euer Bier XD), sie ist… ungelenk und die einige Witze funktionieren schlichtweg nicht.

Beispiel:
Die Antwort von De La Cruz war programmiert, ganz ähnlich der Reaktion von Sanchez: „Wenn ich mit einem Durchsuchungsbefehl zurückkommen muss, dann wische ich mir damit den Hintern ab, bevor ich ihn dir in die Fresse reibe.“
„Schätze, es wäre nicht das erste Mal, dass ich in meiner eigenen Bar eine Scheißfresse kriege“, entgegnete der Barkeeper mit sarkastischem Grinsen.
(sic! – da steht kein mit „einem“ sarkastischen Grinsen – hab ich die Millionen Tippfehler in diesem Buch erwähnt? War der Lektor besoffen?)

Mir ist klar, wo hier das Problem lag. Trotzdem kann man „shitfaced“ nicht einfach so wortwörtlich übersetzen, weil das Wort auf Deutsch bestenfalls eine …komische Konnotation hat, aber niemals mit Alkoholkonsum in Verbindung gebracht würde.

Und damit ich nicht nur rumkritisiere sondern Lösungen anbiete:
„Wenn ich mit einem Durchsuchungsbefehl zurückkommen muss, dann werd ich dafür sorgen, dass du dir die Hosen vollscheißt.“
„Wäre nicht das erste Mal, dass ich in meiner eigenen Bar voll wäre.“


Ich weiß nicht, wie Übersetzer arbeiten, also ob ihnen gesagt wird, so nah wie möglich am Text zu bleiben oder nicht. Aber es kann nicht Sinn der Sache ein, den Leser praktisch zu zwingen, eine Rückübersetzung vorzunehmen, nur um zu kapieren, wo jetzt hier der Witz sein sollte. Dann lieber umschreiben, damit die Zeilen auch das aussagen, was sie sollen. Gott im Himmel, bin ich froh, dass das nur ein blödes Mängelexemplar vom Saturn war. Hmpf.

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