Zwei Bücher-Reviews
Sep. 10th, 2016 06:51 pmIch habe das Gefühl, dass es zwanzig Jahre her ist, dass ich das letzte Mal ein Buch gelesen habe, wow, aber dafür habe ich jetzt gleich zwei Stück an zwei Tagen gelesen, woooah go me wooooah und jetzt schreibe ich tatsächlich Reviews dazu, das ist ja nicht zum Aushalten.
(Das herzzereißende Jammern im Hintergrund kommt von meinem vernachlässigten Haushalt, ignoriert es einfach, ich mag ein unordentliches Wohn- und Schlafzimmer :D).

"Und damit fing es an"
Das hier ist der Klappentext, er spoilert das komplette Buch. XDDD
Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Er wuchs in den 1940er-Jahren allein bei seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen im schweizerischen Matzlingen auf – und schon damals hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Anton spielt Klavier, und seine Familie nimmt Gustav sonntags mit zum Eislaufen. Emilie sieht das nicht gerne, lebt sie doch in der Überzeugung, dass die Bereitschaft ihres verstorbenen Mannes, jüdischen Flüchtlingen zu helfen, letztlich ihr gemeinsames Leben ruiniert hat. Doch Anton ist alles, was Gustav braucht, um glücklich zu sein. Umso härter trifft es ihn, als Anton – beide sind längst erwachsen – Matzlingen verlässt, weil er seine große Chance als Pianist wittert. Gustav widmet sich seinem Hotel Perle, das er inzwischen mit Erfolg führt – doch er ist einsam und verspürt eine große Leere in seinem Leben. Bis Anton, gescheitert, zurückkehrt – und beide erkennen, dass das Glück vielleicht schon immer direkt vor ihnen lag.
Von diesem Buch habe ich per Zufall erfahren, nämlich als ich mal auf pinkus Facebook-Feed schaute, wo ein Review dazu verlinkt war und es klang wie alles was ich mag: zwei trauige Kinder finden sich und klammern sich aneinander und werden glücklich miteinander und dann haben wir noch ein bisschen Kriegstrauma und EIN GUTES ENDE, haha, sorry für den Spoiler, aber das übernimmt der Klappentext schon, worüber ich sehr froh bin, denn ich habe wirklich die Schnauze voll von toten nicht-unbedingt heterosexuellen Charakteren am Ende von Büchern.
Guess what.
Nein, es stirbt niemand aber dieses ganze Buch ist SO seltsam, dass ich nicht genau weiß, was ich davon halten soll.
Es gibt drei Teile: Gustavs und Antons Jugendzeit in den 50ern, dann einen Zeitsprung zurück in die späten 30er und frühen 40er Jahre, wo über das Leben von Gustavs Eltern berichtet wird, und schließlich Gustavs und Antons Zeit als Erwachsene von Mitte der 90er bis zu den frühen 2000ern.
Und wer jetzt sagt "Für einen Roman über die Freunschaft und die tiefe Liebe zwischen zwei Menschen fehlen da aber ne ganze Menge entscheidender Jahre?" der hat absolut Recht.
Ihre Kinderzeit erstreckt sich über fünf Jahre. Gustav ist ein unglückliches, stilles Kind mit einer Mutter, die ihn nicht sonderlich liebt und er trifft auf den weinerlichen, sensiblen Anton, der aus reichen Verhältnissen stammt und sie werden die besten Freunde, weil Gustav irgendetwas zu Anton hinzieht "vielleicht [...] die Tatsache, dass er ihm erklärte, sein Nachname sei Zwiebel, weshalb er Gustav leid tat - was auch immer der Grund sein mochte, jedenfalls hatte Anton etwas an sich, dass Gustav das Gefühl gab, er müsse ihn beschützen" (S. 24)
Ihre Zeit in der Vor- und Grundschule ist gespickt mit liebevollen Anekdoten und eine meiner Lieblingsszenen ist, dass Gustav seine Mutter in Form eines Eishörnchens malt und die beiden Fünfjährigen sich darüber kaputt lachen, was meiner Meinung nach eine sehr gelungene Beschreibung der Art ist, wie Kinder interagieren.
BEsonders diese kinderhafte Empathielosigkeit und ihr andauerndes Aneinander-Vorbeireden lassen ihre Freundschaft sehr real wirken: Gustav erzählt Anton zum Beispiel, dass seine Mutter schwer krank ist und Anton erwidert nur, dass er bei einem Klavierwettbewerb angemeldet wurde und zumindest zu Beginn wirkt das ganze nur wie eine intensive, teils für Erwachsene völlig unverständliche Kinderfreundschaft.
Leider leider bleibt ihre Beziehung auf diesem Level und Anton entwickelt sich zu einer unausstehlichen, egoistischen, dummen blöden Kuh und bekommt das Klischee ab, dass ich bei schwulen/ bisexuellen Männern am allermeisten hasse: er bezeichnet die Frauen, mit denen er später schläft als "arme Schlampen" und lässt kein gutes Haar an ihnen. Ich könnte kotzen.
Es hilft auch nicht, dass Gustav sich nicht aktiv in ihn verliebt sondern wir gesagt bekommen, dass Anton der Mensch ist, den Gustav am meisten liebt weil... Keks. Weil ist so. Weil Anton anscheinend der einzige Mensch ist, den Gustav kennt außer seiner eigenen Mutter und ich mir das ganze Buch über gewünscht habe, dass Anton ein einziges Mal nur erklären soll, warum er Gustav mag, damit Gustav sich nicht in so eine ungesunde Beziehung verrennt, in der er Anton alles Schwere abnimmt: er spricht für ihn mit Antons Eltern darüber, dass er kein Pianist werden will, er hört sich seine Klavierstücke an, obwohl Gustav mit Musik nichts anfangen kann, und jedes verdammte Mal, wenn Gustav versucht, sich ihm anzuvertrauen, erzählt Anton davon, wie schlecht es ihm geht und Gustav, der tapfere, misshandelte, traumatisierte Gustav, der alle gut behandelt, der als einziger in diesem ganzen Buch niemandem ein Leid zufügt, hätte so viel besseres verdient als diesen selbstverliebten, in Selbstmitleid versinkenden traurigen Klops von einem Künstler UGGHSUDHFJSDHFLD.
UGH UGH UGH!!!!!!
Der Mittelteil des Buches, der zu erklären versucht, warum Gustavs Mutter Emilie eine unausstehlich bittere Person ist, hat mir noch weniger gefallen, erstens weil es intensiv um Heterosex ging (na toll) und zweitens weil in diesem Buch niemand Liebe fühlt! Die Eltern von Gustav verlieben sich nicht ineinander sie verLUSTEN SICH in einer mehr als eindeutigen "ihre Unterhose war feucht, er ein animalischer Sexgott"-Szene, die mich schaudern ließ. Gustavs Vater wird im ersten Teil des Buch als Held gehandelt, der mehreren jüdischen Familien zu Kriegszeiten das Leben rettete - was er tatsächlich tat. Aber dann später betrügt er seine Frau mit der Frau seines Vorgesetzen und schwelgt in großer Liebe und kein einziges Mal bekommt man erklärt, warum er in Lottie verliebt ist, außer weil sie megaschöne Möpse und blonde Haare hat.
Ich glaub, ich spinne, was für eine katastrophale Scheiße, oah.
Nachdem ich mir also hundert Seiten lang das Elend von Ehepaaren, die sich misshandeln und betrügen, durchlesen musste, garniert mit ein bisschen jüdischem Kriegselend BECAUSE WHY NOT (OHKDJFHSKHDFD), wurde im letzten Teil des Buches nochmal der Fokus auf Gustav gerichtet, der ein wunderschönes Hotel in seinem Heimatort besitzt und sonst weiterhin keinen Lebensinhalt, außer auf Anton zu warten, der ihre Heimatstadt hasst und dann mit Anfang fünfzig nach Genf abhaut und Gustav das Herz bricht.
Dann passiert lange Zeit gar nichts. Gustav hängt mit der mittlerweile achtzigjährigen ehemaligen Geliebten seines Vaters ab, weil er versucht rauszufinden, was mit seinem Vater eigentlich passiert ist (Spoiler: sein Penis hat ihn in den Untergang getrieben), er verbringt außerdem Zeit mit einem englischen Colonel, der in sein Hotel kommt und ihm traumatisierende Geschichten von Bergen-Belsen erzählt, die absolut nichts mit irgendwas anderem zu tun haben und dann leidet Gustav entsetzlichen Liebeskummer, als Anton ihm eröffnet, dass er mit einem Komponisten in Genf ein gemeinsames Leben führt ("Ich komponiere mit ihm und ich schlafe mit ihm, ich führe ein ernsthaftes Leben." HASJDHAHAHAH). Dann hebt das Buch komplett ab und schmeißt eine Referenz zu Thomas Manns "Tod in Venedig" in den Raum, dessen Verfilmung Gustav tief geprägt hat (wovon in keiner einzigen Szene vorher die Rede war, wann auch immer er diesen Film geschaut haben will, BUCH,HALLO ?!!??!) und die ja, wie wir alle wissen, ne total wunderschöne happy happy joyjoy Erzählung ist, die man auf jeden Fall zum Vorbild für ein wie auch immer geartetes Begehren zwischen zwei Männern nehmen sollte.
...... ich bin so wütend, oah. Es ist so... seltsam bezeichnend, dass die Heteros in dem Buch seitenweise Sex haben MÜSSEN und sich damit ruinieren, und die beiden Männer, UM DIE ES EIGENTLICH GEHT UND DIE INEINANDER VERLIEBT SIND - WEISS DER GEIER WARUM -, EINEN EINZIGEN KUSS BEKOMMEN, der auch noch ziemlich seltsam zustande kommt, weil nämlich der zehnjährige Anton den zehnjährigen Gustav förmlich zwingt, ihn auf den Mund zu küssen und Gustav praktisch fühlt "Joah. War okay."
Das soll nicht heißen, dass ich mich jetzt über KAPITELWEISE GAY SEX gefreut hätte,aber WENIGSTENS EIN NICHT ERZWUNGENER KUSS? EINE UMARMUNG? KUSCHELN? IRGENDWAS?!??! HALLO?!?! Ja, sie bekommen ihr Happy End und wohnen zusammen in einem Haus und bauen Gemüse and und züchten Hühner ... aber es fühlt sich so bodenlos falsch an, weil Gustav für Anton alles aufgibt und man einfach nicht weiß weswegen! Eis und Spielzeug und Schlittschuhfahren hätte ihm auch jeder andere halbwegs nicht gefühlsverkrüppelte Mensch geben können! OAH!
In Fanfics zum Beispiel kann ich von abgefahren ungesunden Beziehungen gar nicht genug bekommen, aber NUR (!!!) wenn es für einen der beiden eine Hoffnung auf Erlösung und echte Liebe bei jemand anderem gibt, was bei Gustav nicht der Fall ist. ER KENNT HALT AUCH EINFACH NIEMANDEN AUSSER DEN DOOFEN ANTON, DESSEN MUTTER (die er einmal küsst. Like... ich hab die Schnauze voll davon, dass achtzehnjährige Typen in der Literatur, die Mütter ihrer besten Freunde küssen, als absolutes No-Homo, oaaaaaaaaah!) UND DIE ALTE GELIEBTE SEINES VATERS.
Meine Fresse. Erst ruiniert mir Herrmann Hesse Kpop (eine meiner liebsten Kpop-Bands fabrizieren nämlich gerrade ein Konzept, das auf "Demian" beruht - aka pretentious bullshit und ich bin in Rage UND DAS MUTTER-GEKÜSSE KOMMT DA AUCH VOR) und jetzt muss ich mir in einem Roman, der nach wunderschöner Liebe, beruhend auf tiefer Freundschaft, und Wahlfamilien klang von Thomas Mann ruinieren lassen und VON DER GOTTVERDAMMTEN SCHWEIZ.
OAH. OAAAAAAAAH. OAAAAAAAAAAAAAAH.
Fast N' Loud: Liebste
ayawinner. Du bist die allerverrückteste allersüßeste und allerallerallerliebste auf der ganzen großen weiten Welt, ICH KANN ES IMMER NOCH NICHT FASSEN, DU HAST MICH SO UNFASSBAR ÜBERRASCHT ICH HAB MICH SO SO SO HART GEFREUT UND ICH MUSS DICH KNUDDELN UND DIR NOCHMAL SAGEN WIE HART ES MICH FREUT, DASS DU MICH IMMER IN MEINEM WAHN UNTERSTÜTZT UND DAANKE DASS ICH DICH IMMER IN IRGENDWELCHE NEUEN HÖLLEN ZIEHEN DARF ;_______;
Okay, also
ayawinner, hat mir dieses Buch geschenkt, einfach so aus heiterem Himmel hatte ich es vorgestern in der Hand - und habe es in einem Rutsch durchgelesen.
Es ist die Autobiographie von Richard R. Rawlings (J.R.R. Tolkiens Neffe, offensichtlich, I am hilarious) dem Gründer von Gas Monkey und einem wahnsinnigen, irren, sehr sympathischen und gleichzeitig unerträglichem Kerl.
Eins vorweg: dieses Buch ist pures Gift für "Millenials". Ernsthaft. XDD Sein ganzer Erfolg gründet sich, laut Richard, auf "hard work, never giving up and putting your 100% into everything" und ich möchte ihm den Ziegenbart tätscheln und ihm mitteilen, dass er ein gottverdammter weißer Texaner ist, der nicht vor oder während einer Wirtschaftskrise geboren wurde, und dazu noch der extrovertierteste Verkäufer, der je auf Gottes Erden wandelte.
Außerdem ist er ein gottverdammter Glückspilz:

Ich habe kurzzeitig überlegt ob ich auch mal netter zu keifenden alten Leuten sein sollte, aber mein Autoritätsproblem wird mich für immer daran hindern AHAHAHHA. XDD
Dennoch ist dieses Buch ein Glücksgriff gewesen, es liest sich leicht und ist humorvoll und entlockt mir pure Bewunderung, allein weil Rawlings mit hundertprozentiger Begeisterung hinter all seinen Projekten steht und einen durch seine Motivation und pure Freude förmlich mitreißt und weil er ständig betont, dass sie Sachen, die man macht Spaß machen müssen. Dabei meint er nicht unbedingt den täglichen Broterwerb, was ich großartig finde, sondern schlichtweg, dass man irgendeinen Ausgleich haben muss, in den man sein Herzblut stecken kann.
Die Anfänge von Gas Monkey waren rau und stolpernd und er ist sich nicht zu schade, auch dunklere Töne anzuschneiden, wie etwa als er darüber spricht, wie er als junger Mann angeschossen wurde und dann relativ streng über die potentielle Gefahr von Schusswaffen spricht( und das von einem Texaner! Call me prejudiced aber... xD).
Es ist rundherum ein Erfolgs- und Motivationsbuch, geschrieben von einem Kerl, der den Raum beherrscht, sobald er ihn betritt (selbst wenn er kein Reality-TV-Showstar wäre XD) und der einen Hunger auf das Leben hat, der mir und meiner überängstlichen millenial Art mehr als fremd ist, der sich aber auch bewusst ist und betont, dass man manche Sachen nur machen kann, wenn man allein ist und alles riskieren kann ("Neither I nor Aaron were married at the time the show kicked off and we both understand it's a whole different thing when you've got a full-time family at home", sagt er, als er über einen seiner treusten Mitarbeiter schreibt).
Was mich auch begeistert hat, war, dass er darüber schrieb wie er zu Beginn seines Autowerkstatt-Traums unendlich viel Hass aus der Blogging- und später Social Media-Szene abbekam und wie sehr ihn das geprägt und darin bestätigt hat, dass man Trolle nicht füttern darf und dass er seine Fanbase wirklich von Herzen liebt, aber auch betont, dass manche vollkommen durchgeknallt sind und dRINGEND AUFHÖREN SOLLTEN, IHN UND SEINE LEUTE ZU STALKEN, BITTE.
Ein Aufruf, den ich genau so unterschreiben würde, haha, LEUTE BITTE OAH.
Ein großartiges Buch. Ich werde jetzt sofort auf der Stelle Autohändlerin. Danke,
ayawinner. <33
(Das herzzereißende Jammern im Hintergrund kommt von meinem vernachlässigten Haushalt, ignoriert es einfach, ich mag ein unordentliches Wohn- und Schlafzimmer :D).

"Und damit fing es an"
Das hier ist der Klappentext, er spoilert das komplette Buch. XDDD
Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Er wuchs in den 1940er-Jahren allein bei seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen im schweizerischen Matzlingen auf – und schon damals hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Anton spielt Klavier, und seine Familie nimmt Gustav sonntags mit zum Eislaufen. Emilie sieht das nicht gerne, lebt sie doch in der Überzeugung, dass die Bereitschaft ihres verstorbenen Mannes, jüdischen Flüchtlingen zu helfen, letztlich ihr gemeinsames Leben ruiniert hat. Doch Anton ist alles, was Gustav braucht, um glücklich zu sein. Umso härter trifft es ihn, als Anton – beide sind längst erwachsen – Matzlingen verlässt, weil er seine große Chance als Pianist wittert. Gustav widmet sich seinem Hotel Perle, das er inzwischen mit Erfolg führt – doch er ist einsam und verspürt eine große Leere in seinem Leben. Bis Anton, gescheitert, zurückkehrt – und beide erkennen, dass das Glück vielleicht schon immer direkt vor ihnen lag.
Von diesem Buch habe ich per Zufall erfahren, nämlich als ich mal auf pinkus Facebook-Feed schaute, wo ein Review dazu verlinkt war und es klang wie alles was ich mag: zwei trauige Kinder finden sich und klammern sich aneinander und werden glücklich miteinander und dann haben wir noch ein bisschen Kriegstrauma und EIN GUTES ENDE, haha, sorry für den Spoiler, aber das übernimmt der Klappentext schon, worüber ich sehr froh bin, denn ich habe wirklich die Schnauze voll von toten nicht-unbedingt heterosexuellen Charakteren am Ende von Büchern.
Guess what.
Nein, es stirbt niemand aber dieses ganze Buch ist SO seltsam, dass ich nicht genau weiß, was ich davon halten soll.
Es gibt drei Teile: Gustavs und Antons Jugendzeit in den 50ern, dann einen Zeitsprung zurück in die späten 30er und frühen 40er Jahre, wo über das Leben von Gustavs Eltern berichtet wird, und schließlich Gustavs und Antons Zeit als Erwachsene von Mitte der 90er bis zu den frühen 2000ern.
Und wer jetzt sagt "Für einen Roman über die Freunschaft und die tiefe Liebe zwischen zwei Menschen fehlen da aber ne ganze Menge entscheidender Jahre?" der hat absolut Recht.
Ihre Kinderzeit erstreckt sich über fünf Jahre. Gustav ist ein unglückliches, stilles Kind mit einer Mutter, die ihn nicht sonderlich liebt und er trifft auf den weinerlichen, sensiblen Anton, der aus reichen Verhältnissen stammt und sie werden die besten Freunde, weil Gustav irgendetwas zu Anton hinzieht "vielleicht [...] die Tatsache, dass er ihm erklärte, sein Nachname sei Zwiebel, weshalb er Gustav leid tat - was auch immer der Grund sein mochte, jedenfalls hatte Anton etwas an sich, dass Gustav das Gefühl gab, er müsse ihn beschützen" (S. 24)
Ihre Zeit in der Vor- und Grundschule ist gespickt mit liebevollen Anekdoten und eine meiner Lieblingsszenen ist, dass Gustav seine Mutter in Form eines Eishörnchens malt und die beiden Fünfjährigen sich darüber kaputt lachen, was meiner Meinung nach eine sehr gelungene Beschreibung der Art ist, wie Kinder interagieren.
BEsonders diese kinderhafte Empathielosigkeit und ihr andauerndes Aneinander-Vorbeireden lassen ihre Freundschaft sehr real wirken: Gustav erzählt Anton zum Beispiel, dass seine Mutter schwer krank ist und Anton erwidert nur, dass er bei einem Klavierwettbewerb angemeldet wurde und zumindest zu Beginn wirkt das ganze nur wie eine intensive, teils für Erwachsene völlig unverständliche Kinderfreundschaft.
Leider leider bleibt ihre Beziehung auf diesem Level und Anton entwickelt sich zu einer unausstehlichen, egoistischen, dummen blöden Kuh und bekommt das Klischee ab, dass ich bei schwulen/ bisexuellen Männern am allermeisten hasse: er bezeichnet die Frauen, mit denen er später schläft als "arme Schlampen" und lässt kein gutes Haar an ihnen. Ich könnte kotzen.
Es hilft auch nicht, dass Gustav sich nicht aktiv in ihn verliebt sondern wir gesagt bekommen, dass Anton der Mensch ist, den Gustav am meisten liebt weil... Keks. Weil ist so. Weil Anton anscheinend der einzige Mensch ist, den Gustav kennt außer seiner eigenen Mutter und ich mir das ganze Buch über gewünscht habe, dass Anton ein einziges Mal nur erklären soll, warum er Gustav mag, damit Gustav sich nicht in so eine ungesunde Beziehung verrennt, in der er Anton alles Schwere abnimmt: er spricht für ihn mit Antons Eltern darüber, dass er kein Pianist werden will, er hört sich seine Klavierstücke an, obwohl Gustav mit Musik nichts anfangen kann, und jedes verdammte Mal, wenn Gustav versucht, sich ihm anzuvertrauen, erzählt Anton davon, wie schlecht es ihm geht und Gustav, der tapfere, misshandelte, traumatisierte Gustav, der alle gut behandelt, der als einziger in diesem ganzen Buch niemandem ein Leid zufügt, hätte so viel besseres verdient als diesen selbstverliebten, in Selbstmitleid versinkenden traurigen Klops von einem Künstler UGGHSUDHFJSDHFLD.
UGH UGH UGH!!!!!!
Der Mittelteil des Buches, der zu erklären versucht, warum Gustavs Mutter Emilie eine unausstehlich bittere Person ist, hat mir noch weniger gefallen, erstens weil es intensiv um Heterosex ging (na toll) und zweitens weil in diesem Buch niemand Liebe fühlt! Die Eltern von Gustav verlieben sich nicht ineinander sie verLUSTEN SICH in einer mehr als eindeutigen "ihre Unterhose war feucht, er ein animalischer Sexgott"-Szene, die mich schaudern ließ. Gustavs Vater wird im ersten Teil des Buch als Held gehandelt, der mehreren jüdischen Familien zu Kriegszeiten das Leben rettete - was er tatsächlich tat. Aber dann später betrügt er seine Frau mit der Frau seines Vorgesetzen und schwelgt in großer Liebe und kein einziges Mal bekommt man erklärt, warum er in Lottie verliebt ist, außer weil sie megaschöne Möpse und blonde Haare hat.
Ich glaub, ich spinne, was für eine katastrophale Scheiße, oah.
Nachdem ich mir also hundert Seiten lang das Elend von Ehepaaren, die sich misshandeln und betrügen, durchlesen musste, garniert mit ein bisschen jüdischem Kriegselend BECAUSE WHY NOT (OHKDJFHSKHDFD), wurde im letzten Teil des Buches nochmal der Fokus auf Gustav gerichtet, der ein wunderschönes Hotel in seinem Heimatort besitzt und sonst weiterhin keinen Lebensinhalt, außer auf Anton zu warten, der ihre Heimatstadt hasst und dann mit Anfang fünfzig nach Genf abhaut und Gustav das Herz bricht.
Dann passiert lange Zeit gar nichts. Gustav hängt mit der mittlerweile achtzigjährigen ehemaligen Geliebten seines Vaters ab, weil er versucht rauszufinden, was mit seinem Vater eigentlich passiert ist (Spoiler: sein Penis hat ihn in den Untergang getrieben), er verbringt außerdem Zeit mit einem englischen Colonel, der in sein Hotel kommt und ihm traumatisierende Geschichten von Bergen-Belsen erzählt, die absolut nichts mit irgendwas anderem zu tun haben und dann leidet Gustav entsetzlichen Liebeskummer, als Anton ihm eröffnet, dass er mit einem Komponisten in Genf ein gemeinsames Leben führt ("Ich komponiere mit ihm und ich schlafe mit ihm, ich führe ein ernsthaftes Leben." HASJDHAHAHAH). Dann hebt das Buch komplett ab und schmeißt eine Referenz zu Thomas Manns "Tod in Venedig" in den Raum, dessen Verfilmung Gustav tief geprägt hat (wovon in keiner einzigen Szene vorher die Rede war, wann auch immer er diesen Film geschaut haben will, BUCH,HALLO ?!!??!) und die ja, wie wir alle wissen, ne total wunderschöne happy happy joyjoy Erzählung ist, die man auf jeden Fall zum Vorbild für ein wie auch immer geartetes Begehren zwischen zwei Männern nehmen sollte.
...... ich bin so wütend, oah. Es ist so... seltsam bezeichnend, dass die Heteros in dem Buch seitenweise Sex haben MÜSSEN und sich damit ruinieren, und die beiden Männer, UM DIE ES EIGENTLICH GEHT UND DIE INEINANDER VERLIEBT SIND - WEISS DER GEIER WARUM -, EINEN EINZIGEN KUSS BEKOMMEN, der auch noch ziemlich seltsam zustande kommt, weil nämlich der zehnjährige Anton den zehnjährigen Gustav förmlich zwingt, ihn auf den Mund zu küssen und Gustav praktisch fühlt "Joah. War okay."
Das soll nicht heißen, dass ich mich jetzt über KAPITELWEISE GAY SEX gefreut hätte,aber WENIGSTENS EIN NICHT ERZWUNGENER KUSS? EINE UMARMUNG? KUSCHELN? IRGENDWAS?!??! HALLO?!?! Ja, sie bekommen ihr Happy End und wohnen zusammen in einem Haus und bauen Gemüse and und züchten Hühner ... aber es fühlt sich so bodenlos falsch an, weil Gustav für Anton alles aufgibt und man einfach nicht weiß weswegen! Eis und Spielzeug und Schlittschuhfahren hätte ihm auch jeder andere halbwegs nicht gefühlsverkrüppelte Mensch geben können! OAH!
In Fanfics zum Beispiel kann ich von abgefahren ungesunden Beziehungen gar nicht genug bekommen, aber NUR (!!!) wenn es für einen der beiden eine Hoffnung auf Erlösung und echte Liebe bei jemand anderem gibt, was bei Gustav nicht der Fall ist. ER KENNT HALT AUCH EINFACH NIEMANDEN AUSSER DEN DOOFEN ANTON, DESSEN MUTTER (die er einmal küsst. Like... ich hab die Schnauze voll davon, dass achtzehnjährige Typen in der Literatur, die Mütter ihrer besten Freunde küssen, als absolutes No-Homo, oaaaaaaaaah!) UND DIE ALTE GELIEBTE SEINES VATERS.
Meine Fresse. Erst ruiniert mir Herrmann Hesse Kpop (eine meiner liebsten Kpop-Bands fabrizieren nämlich gerrade ein Konzept, das auf "Demian" beruht - aka pretentious bullshit und ich bin in Rage UND DAS MUTTER-GEKÜSSE KOMMT DA AUCH VOR) und jetzt muss ich mir in einem Roman, der nach wunderschöner Liebe, beruhend auf tiefer Freundschaft, und Wahlfamilien klang von Thomas Mann ruinieren lassen und VON DER GOTTVERDAMMTEN SCHWEIZ.
OAH. OAAAAAAAAH. OAAAAAAAAAAAAAAH.
Fast N' Loud: Liebste
Okay, also
Es ist die Autobiographie von Richard R. Rawlings (J.R.R. Tolkiens Neffe, offensichtlich, I am hilarious) dem Gründer von Gas Monkey und einem wahnsinnigen, irren, sehr sympathischen und gleichzeitig unerträglichem Kerl.
Eins vorweg: dieses Buch ist pures Gift für "Millenials". Ernsthaft. XDD Sein ganzer Erfolg gründet sich, laut Richard, auf "hard work, never giving up and putting your 100% into everything" und ich möchte ihm den Ziegenbart tätscheln und ihm mitteilen, dass er ein gottverdammter weißer Texaner ist, der nicht vor oder während einer Wirtschaftskrise geboren wurde, und dazu noch der extrovertierteste Verkäufer, der je auf Gottes Erden wandelte.
Außerdem ist er ein gottverdammter Glückspilz:

Ich habe kurzzeitig überlegt ob ich auch mal netter zu keifenden alten Leuten sein sollte, aber mein Autoritätsproblem wird mich für immer daran hindern AHAHAHHA. XDD
Dennoch ist dieses Buch ein Glücksgriff gewesen, es liest sich leicht und ist humorvoll und entlockt mir pure Bewunderung, allein weil Rawlings mit hundertprozentiger Begeisterung hinter all seinen Projekten steht und einen durch seine Motivation und pure Freude förmlich mitreißt und weil er ständig betont, dass sie Sachen, die man macht Spaß machen müssen. Dabei meint er nicht unbedingt den täglichen Broterwerb, was ich großartig finde, sondern schlichtweg, dass man irgendeinen Ausgleich haben muss, in den man sein Herzblut stecken kann.
Die Anfänge von Gas Monkey waren rau und stolpernd und er ist sich nicht zu schade, auch dunklere Töne anzuschneiden, wie etwa als er darüber spricht, wie er als junger Mann angeschossen wurde und dann relativ streng über die potentielle Gefahr von Schusswaffen spricht( und das von einem Texaner! Call me prejudiced aber... xD).
Es ist rundherum ein Erfolgs- und Motivationsbuch, geschrieben von einem Kerl, der den Raum beherrscht, sobald er ihn betritt (selbst wenn er kein Reality-TV-Showstar wäre XD) und der einen Hunger auf das Leben hat, der mir und meiner überängstlichen millenial Art mehr als fremd ist, der sich aber auch bewusst ist und betont, dass man manche Sachen nur machen kann, wenn man allein ist und alles riskieren kann ("Neither I nor Aaron were married at the time the show kicked off and we both understand it's a whole different thing when you've got a full-time family at home", sagt er, als er über einen seiner treusten Mitarbeiter schreibt).
Was mich auch begeistert hat, war, dass er darüber schrieb wie er zu Beginn seines Autowerkstatt-Traums unendlich viel Hass aus der Blogging- und später Social Media-Szene abbekam und wie sehr ihn das geprägt und darin bestätigt hat, dass man Trolle nicht füttern darf und dass er seine Fanbase wirklich von Herzen liebt, aber auch betont, dass manche vollkommen durchgeknallt sind und dRINGEND AUFHÖREN SOLLTEN, IHN UND SEINE LEUTE ZU STALKEN, BITTE.
Ein Aufruf, den ich genau so unterschreiben würde, haha, LEUTE BITTE OAH.
Ein großartiges Buch. Ich werde jetzt sofort auf der Stelle Autohändlerin. Danke,