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Eine Empfehlungsliste

Für den [livejournal.com profile] de_bingo-prompt „Bücher/Kurzgeschichten“ bietet sich eine Empfehlungsliste von Büchern und Co natürlich an, also werde ich euch nun in aller Länge und Breite meine Gedanken zu acht verschiedenen Büchern und zwei Kurzgeschichtensammlungen präsentieren.

Und damit das Ganze nicht allzu trocken abläuft und sich hier ein Review ans andere reiht, werde ich zu jedem Buch notieren, was ich mir davon versprochen habe/warum ich es gelesen habe – und was schlussendlich draus geworden ist. Denn nichts ist so großartig wie enttäuschte Erwartungen, ha!


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Worum es geht





Hildegunst von Mythenmetz ist zurück! Zamoniens Wortschmied Nummer eins macht sich zweihundert Jahre nach seinem ersten Abenteuer wieder auf nach Buchhaim und muss feststellen, dass sich das beschauliche Antiquariatsstädtchen in eine pulsierende Metropole des Buchhandels verwandelt hat. Puppen, Rüssel, Rauchpolizisten stellen Mythenmetz‘ Erwartungen gehörig auf den Kopf, und der Dichterfürst merkt schnell, dass sich nur eine einzige Sache nicht verändert hat: nämlich wie leicht er sich immer noch übers Ohr hauen lässt.




Was ich erwartet habe

I just skimmed through it and read the first ten pages or so and I am already drowning in nostalgia (I wrote sad poems about the Schattenkönig back in highschool when "Die Stadt der Träumenden Bücher" broke my heart).

Was draus geworden ist

Nostalgie bei Moers umfasst für mich famoses Fabulieren, Spaß an Widrigkeiten, alberne, liebenswerte, durchweg schräge Figuren und dazu eine tiefgreifende, ganz und gar unerklärliche Traurigkeit und das alles gab es zuhauf.

Allerdings kamen meine Schwärmereien für das Vorgängerwerk auch im ganz buchstäblichen Sinne vor, denn etwa achtzig Seiten des Buches beschäftigen sich mit einer cleveren Nacherzählung der Geschehnisse aus dem ersten Buch über die Stadt der Träumenden Bücher.

Clever war es deswegen, weil Hildegunst seine eigene Reise in die Katakomben von Buchhaim kommentieren durfte, da er bloß als Zuschauer an einem Puppentheaterstück teilnimmt und sich sozusagen selbst auf der Bühne sieht. Vor so viel Metaebenen kann einem schon mal schwindlig werden, vor allem wenn man sich nach der dreißigsten Seite fragt, wann es denn nun endlich weiter geht mit der Story und zwar nicht mit der, die man schon kennt, doch leider muss man sich bis zur allerletzten Seite des Buches gedulden.

Da steht nämlich „Hier fängt die Geschichte an“ – und gleichzeitig blättert man die letzte Seite um und steht somit ein bisschen fassungslos vor diesem Vierhundertseiten-Wälzer, der einen gerade zum Narren gehalten hat, indem er einem den längsten Prolog aller Zeiten vorgesetzt hat.
Bin ich enttäuscht? Nein – denn trotz der Langatmigkeit und der stellenweisen absoluten Handlungsarmut kam ich mir gut unterhalten vor, was natürlich an der wunderschönen, betörenden Sprache liegt und an den schrägen Figuren, die von ihrem noch schrägeren Leben erzählen dürfen (die Nekromantenkids! Inazeas Schrecksentrauer, die mich wirklich tief getroffen hat! Die Librinauten! Kulinarischer Puppetismus!)

Würde ich es empfehlen?

Ja, und nein. Für Fans der Zamonienliteratur sowie für alle, die Spaß an Sprachspielen und langen ausschweifenden Beschreibungen von nicht plot-relevanten dafür aber liebevoll und detailliert erdachten Kleinigkeiten haben, ist „Das Labyrinth der Träumenden Büchern“ mit seinem wildem Mix aus Formen, Farben und Worten genau das Richtige. Diejenigen, die unbedingt wissen wollen, was es mit Mythenmetz‘ zweitem Ausflug in die Katakomben auf sich hat, warten besser bis Oktober 2015 und vertiefen sich dann in „Das Schloss der Träumenden Bücher.“






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Worum es geht





Evie O’Neill, ihres Zeichens achtzehn Jahre alt, draufgängerisch, arrogant und selbstbewusst stürzt sich mitten ins Getümmel des swingenden, Gin trinkenden New Yorks der 1920er Jahre. Was als entspannter Aufenthalt im besten Exil der Welt beginnt, verwandelt sich schnell in einen mörderischen Wettlauf gegen die Zeit. Ein übernatürlich begabter Ritualmörder treibt sein Unwesen und Evie muss ihre eigenen seherischen Fähigkeiten einsetzen, um ihm Einhalt zu gebieten.





Was ich erwartet habe

As far as I know it's a young adult urban fantasy novel set in the Roaring Twenties in New York. Could be worse. XD - lies: ich wusste gar nichts über das Buch und habe durchschnittliche Unterhaltung erwartet.

Was draus geworden ist


„The Diviners“ ist wie erwartet durchschnittlich, was aber eher daran liegt, dass einige Passagen großartig sind und andere wiederrum zäh wie Kaugummi.

Man merkt dem Buch leider an, dass es der erste Band einer Trilogie werden soll, worunter gerade die Charakterbeziehungen unheimlich leiden, denn es ist einfach nicht spannend dabei zuzusehen, wie Evie, Jericho und Samuel sich zusammenraufen, wenn von der ersten Seite an klar ist, dass sie alle füreinander bestimmt sind – und es aus Plotgründen auch sein müssen, um dem Titel des Buches Rechnung zu tragen. Dafür sind fast 600 Seiten voller Missverständnisse und um Haaresbreite verpasster, theoretisch hilfreicher Treffen auch einfach viel zu lang, vor allem da keins der Missverständnisse irgendwelche Konsequenzen hat, die einen wirklich berühren. Zwei der Hauptfiguren haben sich bis zum Ende noch nicht einmal getroffen, sodass Memphis‘ Geschichte völlig zum „sequel hook“ verkommt (sowie drei weitere Handlungsstränge, die eine Menge Platz wegnehmen), da die Suche nach dem Mörder durchaus spannend ist und man die anderen Stories höchstens als Ablenkung wahrnimmt.

Was mich dennoch bei der Stange gehalten hat, ist einerseits das unglaublich detaillierte und intensiv geschilderte Leben und Lieben im New York der 1920er Jahre – und andererseits Will „ich-könnte-auch-Nightingale heißen“ Fitzgerald. *w* Will ist Evies Onkel und ihr Vormund in New York. Er leitet ein Museum für Okkultes, hat einen Polizistenfreund namens Mallory, der ihn liebevoll „Fitz“ nennt, ihn zu den Ermittlungen hinzuzieht und am Boden zerstört ist, als Will unter Verdacht gerät. Oh Gott, ich bin so fasziniert von den Andeutungen und der Handvoll Informationen, die man über Onkel Will bekommt, dass ich den zweiten Band kaum erwarten kann. Der Nightingale-Effekt mal wieder, in dem der Mentor interessanter ist als die eigentliche Hauptfigur (und lustigerweise ebenso hilflos im Angesicht der „Realität“ und "Moderne" wie der gute Thomas aus "Rivers of London").

Würde ich es empfehlen?

Auch das kommt wieder drauf an: für Fans von Urban Fantasy, die über den unausweichlichen young-adult-Romanzenkram hinweg sehen können, könnte sich „The Diviners“ schon lohnen – sofern man im Hinterkopf behält, dass man noch Band zwei und Band drei vor sich hat und erst dann in den Genuss einer gesamten Geschichte kommen wird (hoffentlich). Würde mich allerdings jemand fragen, ob das Buch für fantasy-begeisterte Zwölfjährige geeignet ist würde ich spontan verneinen, denn die Mord- und Todschlagszenen sind detailliert und teilweise unfassbar gruselig beschrieben. Mir lief ab und an ein Schauer über den Rücken, wofür ich den Hut vor der Autorin ziehe – und jedes jüngere Kind schnell zu einem anderen Buch.






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Worum es geht


Detective Dusty Buchanan wohnt in Darwin. Das liegt im Norden Australiens und dort ist es heiß und entsetzlich langweilig, doch Dusty ermittelt seit zwei Jahren im Fall einer entführten Frau und findet, dass sie damit auch genug beschäftigt ist. Bis ihr der Fall entzogen wird und sie plötzlich viel zu viel Zeit hat, um sich über ihren allgemeinen, desolaten Lebenszustand Gedanken zu machen. Da trifft es sich gut, dass sie über eine weitere Leiche stolpert – bis diese auf mysteriöse Weise verschwindet und Darwin plötzlich nicht nur langweilig und heiß ist, sondern auch kreuzgefährlich.



Was ich erwartet habe

No, I am not expecting kangaroos to show up and solve the murder all of a sudden but maybe a crocodile will eat a really important proof or something. That would be cool.

Was draus geworden ist

Es ist erstaunlich wie richtig ich mit meinen Erwartungen lag: ein Känguru taucht tatsächlich auf und sorgt für eine durchaus tragische Wendung und ein Krokodil wird verdächtigt, die Leiche verschleppt zu haben. Außerdem wird ein Hausschwein exhumiert aus plotrelevanten Gründen.

Was für ein sympathisches, völlig behämmertes, grauenhaftes, geniales Buch.

Teilweise habe ich das Ding kopfschüttelnd zur Seite gelegt, weil ich mich mit Sätzen wie "Und sie nahm den Wikinger in sich auf" herumschlagen musste, wenn es um Dustys Affäre mit einem Rucksacktouristen geht – und dann wieder musste ich unbedingt weiterlesen, weil genau diese Affäre zu einer urkomischen Auflösung geführt wird, die sich zwar abstrus aber nicht völlig unrealistisch anfühlt.
Der Satz "Hier wohnen Bosskrokodil, was Name heißt Sweetheart" hat mich dazu veranlasst, mich eine halbe Stunde lang totzulachen – und dann musste ich mich wieder durch seitenweise Heterosex wühlen (der mich wirklich abstößt, so leid es mir tut xD), der nur da ist, weil es so cool und abgebrüht ist, über Prostituierte zu schreiben.

Mir kam es so vor, als sei der Autor überfordert gewesen von seiner eigenen Protagonistin, denn Dusty ist cool, sozial ungeschickt, schlagfertig, unfreundlich, hartnäckig und hasst diesen Smiley ": )". Sie hat somit genügend Schwächen, die alle nicht so abgedroschen sind wie das, was dann mit ihrem "Wikinger" passiert, aber neiiiin, da wir eine weibliche Hauptfigur haben, ist es unerlässlich, dass sie sich stundenlang Gedanken über Männer macht. Geht ja nicht anders.

Gott sei Dank sind der Fall und alles drumherum, wie etwa Dustys restliche Beziehungen zu den Aboriginies und den Veteranen, mehr als spannend und interessant und lassen einen über den sonstigen Unfug hinweg sehen. Dennoch muss man wissen, dass man es hier mit viel überflüssigem Sex zu tun bekommen wird, bei dem die Figuren nur teilweise mit allem einverstanden sind.

Würde ich es empfehlen?

Auf gar keinem Fall jemandem, der anspruchsvolle Krimikost sucht. Aber für Fans von Sara Grans "Die Stadt der Toten" und für alle, die einen kurzen, düsteren Abriss einer australischen Kleinstadt haben wollen (warum auch immer…), ist "Vor dem Regen" ein Glücksgriff





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Worum es geht




Es ist 1891 und in London wagt man ein vorsichtiges Aufatmen, da Jack the Ripper endlich von der Bildfläche verschwunden zu sein scheint. Doch dann geht eine ganz ähnliche Mordserie in New York los und man bemüht sich um gemeinsame Mordbubensuche.




Was ich erwartet habe

It's basically about a copycat-Jack the Ripper in 1890's New York. I am a sucker for buddy-cop stuff and the teamup between Scotland Yard analysist Jameson and tough New York cop Argenti sounds exactly like my cup of tea.
Yeah okay, not gonna lie, I hope to get a lot of slash out of this. "Blitz" ruined me forever and ever.


Was draus geworden ist

Urghs. Ich sollte aufhören, mich auf Sachen zu freuen, wirklich, und eigentlich hätte mich das Cover schon abschrecken sollen, aber buddy-cop-Kram ist nun mal meine Schwäche. Die hier leider schamlos ausgenutzt wurde und zu einem völlig unbefriedigenden Ende für alle Beteiligten geführt hat.

Das Buch ist so unfassbar öde und – was ich persönlich viel, viel schlimmer finde – wahnsinnig schludrig geschrieben. POV-Wechsel mitten im Gespräch, das Klischee der "Hooker with a Heart of Gold" wird bis zum Erbrechen ausgereizt, der eine Hauptcharakter raucht Opium (was okay ist) und hat seltsamen eingeölten Sex mit der Opiumhöhlenangestellten (was absolut nicht okay und total zum Kotzen ist), es werden Ermittlungsfehler begangen, die man nicht mal im Tatort durchgehen lassen würde und während der gesamten Lektüre schien es mir so, als würde John Matthews mir in den Nacken atmen und mich fragen, ob ich nicht total begeistert sei von dieser Wendung.

"Hmm, geht so", erwiderte ich in etwa neunzig Prozent der Fälle. "Das ist nämlich alles ziemlich Deus ex Machina, was du hier abziehst. Oh, und außerdem würde es helfen, wenn dein englischer Ermittler auch mal was Brillantes tun würde, anstatt dass ich mir alle fünf Seiten anhören muss, wie jemand bloß sagt, dass er total cool ist. Und was ist überhaupt mit dem Pacing? Da wurde eine Actionszene unterbrochen – an der denkbar ungünstigsten Stelle – nur damit Argenti und Jameson ihren Moment der erblühenden Freundschaft haben konnten. Das macht niemand im echten Leben, wirklich nicht, auch nicht im 19. Jahrhundert. Und wo wir gerade dabei sind, die Tatsache, dass Jamesons Assistent ein fotografisches Gedächtnis ist reichlich…komfortabel, findest du nicht, und es wäre insgesamt besser, wenn du mir mehr zeigen und mir nicht nur erzählen würdest, was alles großartiges passiert… John, hörst du mir zu? John, ich rede mit dir! Was willst du mit dem Messer? John, hallo? Joh-!"

Würde ich es empfehlen?

Nein. Es ist so langweilig, das Infodumping so elegant wie ein Bulldozer in der Orangerie, das Setting bleibt völlig blutleer (was eine wahre Schande ist, wenn ich es mit der förmlich übersprudelnden Lebendigkeit aus "The Diviners" vergleiche) und wenn ich Lust habe auf Charaktere, die sich bis zum Schluss kein Stück aneinander annähern oder auch nur irgendein nachvollziehbares Gefühl haben, dann schau ich Nachrichten. Was für eine Enttäuschung.




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Worum es geht und Was ich erwartet habe





It's a fictional retelling of the life of August Engelhardt. I had never heard of him before, but wikipedia and the book tell me that the guy emigrated from Germany to German New-Guinea at the beginning of the 20th century to start his very own coconut empire on the island of Kabakon. Yes, a coconut empire, I mean the dude wrote stuff like this: "Nackter Kokovorismus ist Gottes Wille. Die reine Kokosdiät macht unsterblich und vereinigt mit Gott.“ and basically it's a story about imperialism and the racist mindset of the early 1900s - with coconuts. WHAT'S NOT TO LIKE? =D






Was draus geworden ist

Ach du Schande, wo soll ich anfangen. Was man daran nicht mögen kann, ich sag euch, was man daran nicht mögen kann, UNGEFÄHR ALLES, dieses Buch ist fürchterlich und ich hasse es bis aufs Blut. Oh mein Gott, was für ein Paradebeispiel an Einfalt und arroganter Gefühlskälte. Der einzige, positive Aspekt, der mir so spontan einfällt, ist die verschnörkelte, teils anstrengende Sprache des Erzählers, die tatsächlich, wie so häufig in den Rezensionen erwähnt […] aus einem anderen Sprachraum und einer anderen Zeit zu stammen scheint – Herkos Odonton lässt grüßen.

Alles andere, von der Charakterzeichnung bis hin zum Ton des auktorialen Erzählers ist die reinste Zumutung, ein ständiges, nervtötend offensichtliches Wedeln mit dem moralischen Zeigefinger, der das Auge des Lesers nur um Haaresbreite verfehlt und einen dazu auffordert, sich an der zunehmenden Hilflosigkeit und Geisteskrankheit des Protagonisten zu erfreuen – geht ja schließlich ganz leicht durch den sicheren Abstand, den das 21. Jahrhundert bietet.

Viele der Rezensionen sprechen Krachts Roman einen heiteren, gut gelaunten Ton zu, was mich zu der Frage veranlasst, was die Herrschaften geraucht haben und ob ich das auch bekommen könnte, anders ertrage ich das hier nämlich nicht. Gut gelaunt ist hier gar nichts. Engelhardt ist zu Beginn ein naiver, aber durchaus harmloser Träumer, der es mit seinem missionarischen Eifer in Sachen Vegetarismus ab und zu übertreibt, aber sonst ganz possierlich rüberkommt. Zum Schluss ist er ein wahnsinniger, leprakranker Mörder und Antisemit und dazwischen begegnet er lediglich ein paar Kokosnüssen. Was genau soll mir das sagen? Antisemitismus ist eine Geisteskrankheit (gute Aussage)? Jeder kann zum Antisemit werden, wenn er nur lang genug von den Menschen (egal von welchen) enttäuscht wird? Das halte ich für… bedenklich, um nicht zu sagen, heilige Scheiße, was soll das denn werden?

Kracht gefällt sich (und verliert sich) in ironischer Selbstdistanzierung und versucht mit aller Macht seinen Protagonisten als Pazifik-Abziehbildchen von Hitler darzustellen. Was ungefähr so sinnvoll ist, wie zu behaupten, dass Fluttershy eine Kokosnuss an den Kopf bekommt und sich danach wie Joffrey Baratheon benimmt. Den 'Wahnsinn' eines Einzelnen für die gesammelte Bestialität des Zweiten Weltkriegs verantwortlich zu machen, heißt, sich die ganze Sache ein bisschen sehr leicht zu machen – und mir stellt sich die Frage, warum uns Kracht das eigentlich alles erzählt, da er ja nicht müde wird, in jedem zweiten Satz die Aktivitäten Engelhardts als lachhaft und albern darzustellen, als wirre Auswüchse eines altmodischen, im 19. Jahrhundert erzogenen Geistes. Wenn ich das also alles nicht so ernst nehmen soll…? *Schweigen im Walde und eine einzelne Grille zirpt, bis es ihr peinlich wird*

Eine andere Sache, die mir wahnsinnig sauer aufstieß, war die Darstellung des einzigen homosexuellen Charakters. Zu Beginn ist er begeisterter Anhänger Engelhardts, dann macht er sich durch antisemitische Äußerungen unbeliebt, die Engelhardt rundweg ablehnt und schließlich missbraucht der Mann einen der eingeborenen Jungen. Engelhardt erschlägt ihn (oder auch nicht) – und ist enttäuscht von der Welt.

Kracht hat sich die sexuellen Neigungen dieser Figur (die historisch belegt ist) ausgedacht und das Einzige, was er damit angestellt hat, war die Vergewaltigung eines Kindes sowie Antisemitismus darzustellen. Entschuldigt bitte, ich muss gerade kurz im Strahl kotzen. Wow. Ich lass mich gern belehren und bilden und Bücher dürfen ruhig verwirren. Aber sie sollten nicht auf derart plumpe Weise Klischees bedienen und nicht nur deshalb sprachliche Schnörkel schlagen, weil sie besonders künstlerisch wirken wollen.

Würde ich es empfehlen?

Nein. Vielleicht zum drüber Aufregen oder wenn man das dringende Bedürfnis hat, jemanden zu treten, der bereits im Staub liegt, für was anderes ist das hier nämlich nicht gut. Wow, Herr Kracht, was für ein Unsinn.






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Worum es geht





Vom Klappentext: Ein Unfall mit tödlichem Ausgang. Ein geheimnisvolles Satzzeichen. Ein aufdringlicher Besucher. Ein plötzlicher Herzstillstand. Es sind die unterschiedlichsten Dinge und Ereignisse, die Hilary Mantels Figuren aus der Bahn werfen – mal vorübergehend, mal für immer. […]






Was ich erwartet habe

Man, I loved "Brüder" sooo much (although it had its flaws) so I hope that this short story collection will live up to its price of 18 euros for 157 pages, Jesus Christ people are you for real. - lies: der Preis ist total übertrieben, hoffentlich bereue ich das nicht.

Was draus geworden ist

Ich habe es nicht bereut. "Die Ermordung Margaret Thatchers" zählt zu den besten Büchern, die ich letztes Jahr gelesen habe. Ich bin eigentlich kein großer Fan von Kurzgeschichten (dafür musste ich in der Schule zu viel Wolfgang Borchert lesen – "Das Brot" verursacht mir immer noch Bauchschmerzen, aber darüber später mal mehr), aber manche Geschichten in Mantels Sammlung habe ich sofort noch einmal gelesen, was ungefähr niemals vorkommt.

Sie sind alle düster und fürchterlich kalt, niemand ist richtig glücklich und trotzdem kann man nicht aufhören zu lesen. Die Sprachgewalt Mantels hat mich ja schon in "Brüder" völlig verzaubert aber sie in kompensierter Form in diesen Kurzgeschichten zu sehen ist noch um einiges großartiger. Die Pointen der Stories wirken oft wie ein Schlag in den Magen: die Auflösung in "Winterferien" zum Beispiel, die sich hinterrücks anschleicht und bis zum letzten Wort wartet, um einen ins Unglück zu stürzen. Oder die grausam kindliche Weise, in der die beiden Freunde in "Das Komma" einen behinderten Menschen nicht als solchen wahrnehmen wollen, oder die beiden Schwestern in "Das Herz versagt ohne Vorwarnung", die eine, die sich scheinbar grundlos zu Tode hungert während die andere ihr beim Sterben zuguckt. Die Hilflosigkeit und das Überrascht-werden von Konsequenzen sind umwerfend.

Meine Lieblingsstelle ist wahrscheinlich – ganz albern – die, in der die Protagonistin aus "Wie soll ich Sie erkennen?" ihre Migräne mit einem Schutzengel vergleicht, der ihr Blickfeld eintrübt und sich schwer auf ihre Schulter lehnt (und ihr ins Gesicht rülpst xD). Eine derartig wundervolle, verspielte und gleichzeitig bedrückende Beschreibung dieses kopf- und körperlähmenden Blödsinns hab ich vorher noch nie gelesen. Yay, Frau Mantel. <33

Würde ich es empfehlen?

Ja, oh mein Gott, lest es. Vielleicht nicht unbedingt für diesen Preis, weil der wirklich unverschämt ist, aber es gibt ja Mittel und Wege… Ein großartiger Einblick in die Sprache von Hilary Mantel, die ich nur empfehlen kann. VON HERZEN. MWAHHAH.








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Worum es geht
Von der Website:





Inspired by true and scandalous tales of the Gaslight aristocracy, we present the most moral and improving tale of Lady Rosamond Wolfram.
Weep, reader, for the plight of our heroine as she descends into piteous ruin in the clutches of the notorious Phlogiston Baron, Anstruther Jones. Witness the horrors of feminine rebellion when this headstrong young lady defies her father, breaks an advantageous engagement, and slips into depravity with a social inferior. Before the last page is turned, you will have seen our heroine molested by carnival folk, snubbed at a dance, and drawn into a sinful ménage a trois by an unrepentant sodomite, the wicked and licentious Lord Mercury.
Reader, take heed. No aspect of our unfortunate heroine’s life, adventures, or conduct is at all admirable, desirable, exciting, thrilling, glamorous, or filled with heady passion and gay romance.






Was ich erwartet habe

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Danke [livejournal.com profile] ayawinner xD für deine treuen Dienste, von denen du gar nichts wusstest. xD

Was draus geworden ist

Wie oben bereits erwähnt ist das Buch wirklich nicht sonderlich gut. Die Protagonisten haben alle zwei Charakterzüge ("being hot" + ein anderer), die ganze Story fegt in einem Affenzahn dahin und man erfährt nichts über die Hauptfiguren, was nicht unmittelbar für die "Story" wichtig ist.

Die Liebesgeschichte, die der Hauptaspekt ist, leidet auch darunter, dass der Leser vor vollendete Tatsachen gestellt wird ("Oh wow, der Kerl hat sie einmal auf einem Ball gesehen und sie geküsst"  INSTANT LIEBE FÜR IMMER UND EWIG) – und trotzdem konnte ich nicht aufhören zu lesen, was unter anderem an dem erwähnten fleischfressenden Pferd liegt (welches viel zu wenig vorkommt, was für eine Schande), daran, dass Rosamond gerne "fuck it" sagt und tut, was sie will, und daran, dass die Sprache wirklich sehr einnehmend ist. Diese Liste der Autorin, die zusammenfasst, warum man mal einen Blick reinwerfen könnte – wenn man sich von diesem wirklich katastrophalen Cover nicht abschrecken lässt – beschreibt das Ganze eigentlich sehr gut.

Was mir besonders gut gefallen hat, sind ironischerweise die Buchvorschauen, die mit der eigentlichen Geschichte nur insoweit etwas zu tun haben, als dass sie im gleichen Universum (Prosperity) spielen. Der eine Charakter dort - Picadilly – ist ein kleiner Gauner, der aus Versehen auf eins der Himmelschiffe stolpert und sich in den Captain (??? Noch nicht ganz sicher was das angeht XD) verknallt. Alles ist aus Picadilly's Sicht erzählt und er benutzt durchweg dieses Diebeskauderwelsch, was auf Englisch natürlich nochmal ulkiger wirkt ("I ain't exactly what ye might call high'n'mighty so most folks look tall to me, but this cove was tall and made up of angles and not particularly graceful with it. Put me in mind of one of 'em birds, all legs and wings, mebbe designed for being in the air no on the ground" – und das ist so entwaffend und bezaubernd!!).
UND ER IST SO VERKNALLT IN RUBEN, ES IST WUNDERVOLL, AWW. <3333


Würde ich es empfehlen?

Ähm. Also. Nein. xD Außer man hat echt gar keine anderen Fanfics mehr. Oder man hat einen echt schlechten Tag und möchte sich aufmuntern. Oder man hat etwas übrig für Romance Novels set in alternate steampunk Victorian England verses.
"Prosperity" hingegen, werde ich mir irgendwann mal intensiver zu Gemüte führen. <3 DENN PICADILLY IST SO SÜSS.







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Worum es geht
Vom Klappentext



Virtuose, Zauberer, Illusionist – Steven Millhauser wurde verglichen mit Kafka, Boges, Nabokov und – Disney. Seine Imagination sprengt alle Grenzen, seine Storys gleichen wundersamen Reisen durch mysteriöse Gefilde, kindliche Träume und labyrinthische Gegenwelten.



Diese Zusammenfassung wurde ihnen präsentiert vom unterbezahlten Praktikanten.

Was ich erwartet habe

"Oh hey, es kostet nur einen Euro bei den Taschenbuchtagen und ich brauch eh was Kurzes für die Straßenbahnfahrten und ein Mensch, der mit Kafka und Disney verglichen wird, kann doch eigentlich nicht schlecht sein." – (Das war wirklich der gesamte Gedankengang beim Kauf, möglicherweise erweitert durch ein "Oh Gott ja, die Sonne ist scheiße, ich protestiere dagegen!" und durch ein "Nabokov ignorieren wir mal, das war der Praktikant!!")

Was draus geworden ist

Ich hab noch nie etwas von Millhauser gelesen und bereue es mittlerweile ein bisschen, denn die Kurzgeschichtensammlung hat mir sehr gut gefallen. Die Stories sind allesamt verrückt, düster, bedrückend, fantasievoll und decken dabei die gesamte Bandbreite von "irgendwo in der Realität verankert, und könnte vielleicht auch so passiert sein" bis hin zu "Hat der Typ wirklich Sex mit einem Frosch?!?!?!?" ab – und das im schön-schauerlichen Wechsel, sodass man nie zu weit ins Unmögliche abdriftet sondern immer wieder auf den Teppich geholt wird und sich klarmachen muss, dass nichts so bescheuert und gruselig ist, wie das, was einem die Realität tagtäglich vorsetzt, wenn man nicht aufpasst.

Das Abgleiten in den Wahnsinn wird in mehreren Geschichten thematisiert ("Die Erfindung des Robert Herenden" und "Unter der Herrschaft Harald des IV.") und niemals romantisiert: den Künstler in "Harald" verlassen wir, als er die Schwelle des Wahnsinns gerade überschritten hat und der erfolgreiche, planlose Student aus "Erfindungen" schafft es gerade noch so, seinem einstürzenden Geist zu entkommen – ziemlich buchstäblich sogar.
Die mir liebste Geschichte ist "Ein Wechsel der Mode", in der beschrieben wird, wie die Kleider der Frauen immer bauschiger und riesiger werden, bis man praktisch gigantische Stoffbehausungen auf Partys trägt, und die Frauen gar nicht mehr sieht.

Es löst sich natürlich auf, wie alles an Mode, und verblasst mit der Zeit und Millhauser hat die perfekten Worte gefunden, um die Stimmung zu beschreiben, die einen überkommt, wenn man alte Fotos ansieht und sich fragt "Jesus Christus, das habe ich wirklich freiwillig angezogen, war ich blind?!?!". Dieses Übersteigern einer alltäglichen Sache ( wie auch in "Der Traum des Konsortiums") ist mir fast lieber als das ganz abgefahrene Zeug oder der zu fantasielose Kram wie in "Ein Protest gegen die Sonne", wo bloß ein Junge im dicken Pulli am Strand entlang spaziert und kein einziges fantastisches Element vorkommt, wie etwa die fliegenden Teppiche als neuestes Kinderspielzeug in "Fliegende Teppiche".

Würde ich es empfehlen?

Ja! Die Stories sind großartig, fantasievoll und vor allem sind sie nicht fürchterlich bedrückend, heißt, man kann nach zwanzig Minuten Fahrt aus der Straßenbahn aussteigen und ist nicht kurz davor, an seinen Gefühlen zu ersticken (so passiert mit mir und "Wie soll ich Sie erkennen?" aus "Die Ermordung Margaret Thatchers", hahaha das war ein lustiger Arbeitstag).






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Worum es geht:
von hier




Im Sultanat von Oman wurden 247 amerikanische Botschaftsangehörige von aufgehetzten Fanatikern als Geiseln genommen. Ein Kongreßabgeordneter aus Colorado bietet seine Hilfe bei der Befreiung an. Seine einzige Bedingung: Er muß unabhängig vom amerikanischen Geheimdienst arbeiten können. Die zuständigen Regierungsstellen akzeptieren, ohne zu ahnen, dass sie damit selbst die Lunte an das Pulverfaß legen...





Was ich erwartet habe

"Oh hey, es ist zwei Uhr nachts und ich kann von meinem Handy aus auf den e-reader meiner Eltern zugreifen, was haben die denn so Schönes… oh ein Ludlum-Buch, dass ich noch nicht kenne! Von wann ist das? 1988… oh wow, okay, setzen wir die "er ist über seine krasse Rassimus-Phase hinaus, aber noch nicht so richtig, und Frauenrollen begegnen wir mal mit Vorsicht"-Schutzbrille auf und los geht’s!"

Was draus geworden ist





Natürlich ist es irgendwo white-saviour mäßig. Natürlich gibt es eine Szene, die haarscharf an brown face vorbei schrabbert. Natürlich ist es sehr plakativ, wenn der jüdische Spezialeinheiten-Extremisten-Heini und der islamistische Extremistenheini sich gegenseitig abschlachten (inklusive tragischer "meine Eltern sind bei einem eurer Anschläge umgekommen"-Hintergrundgeschichte), nur um dann herauszufinden, dass sie praktisch den gleichen Codenamen tragen und alles fürchterlich bereuen.

Evan, der Hauptcharakter, ist das Sinnbild des Helden wider Willen, der nur deshalb in die Politik geht, weil er eine Umweltverschmutzung in seinem Wahlbezirk wieder gerade biegen möchte und sich bis zum letzten Atemzug gegen das Amt des Präsidenten wehrt – und damit natürlich das Nonplusultra an geeignetem Kandidaten für genau diese Position ist. Außerdem ist er natürlich voll bff mit dem Sultan von Oman – wer nicht – und dazu noch völlig integer, bildhübsch und liebenswert bis zum geht nicht mehr.

Es ist eine seltsame politische Utopie, die sich Ludlum da zusammenschustert, mit einem Helden, der zu gut ist für die Welt, aber wenn man über all das hinweg sehen kann, hat man einen gewohnt spannenden Agententhriller vor sich, der ganz besonders viel Wert auf das Thema "gefundene Familie" legt – WOMIT LUDLUM MICH NATÜRLICH GENAU AN MEINEM SCHWACHPUNKT PACKT UND MICH LACHEND DURCH DIE LUFT SCHLEUDERT.

Evan und sein Ersatzvater Manny wollen sich ständig gegenseitig retten, verschweigen zum Wohle des Anderen Informationen (allerdings nie so, dass es gefährlich dumm wird, weil sie beide genug Erfahrung im Feld haben xD) und machen sich beide ständig Sorgen umeinander – wobei Manny Evan ständig als Idioten und Grünschnabel beschimpft und Evan freundlich nickt und den Krankenschwestern sagt, sie sollen ja aufpassen, dass der alte Trottel keinen Whiskey trinkt. Und oh mein Gott, ihr könnt mich mit so viel Geheimorganisationen (in diesem Fall "Inver Bras"), die das Schicksal Amerikas aus dem Hintergrund leiten, zuknallen, wie ihr wollt, ich werde die Seiten ungeduldig lesen und mich fragen "Ja, aber wie GEHT ES MANNY, HAT ER DEN ANSCHLAG ÜBERLEGT, OH MEIN GOTT, WEISS EVAN DAVON, GEBT MIR MEEEEEEEHR!"
Offensichtlich habe ich meine Prioritäten gewählt, oh ja. xD

Würde ich es empfehlen?
Es ist nicht eins der besten Ludlum-Bücher, meiner Meinung nach, aber auch nicht das Schlechteste. Die Kampfszenen sind gewohnt atemberaubend, und so im Nachhinein kann man sich das Ganze wie Ludlums persönlichen "Winter-Soldier"-Film vorstellen: sein Held ist zwar Amerikaner, doch er sieht die Fehler im System und prangert sie klar und deutlich an – dass er sich das leisten kann, weil er ein Supersoldat ist er mit seinen Architekturprojekten steinreich geworden ist, sei mal dahin gestellt. XDDDDDD

Generell würde ich es niemandem empfehlen, der gerade erst dabei ist, Ludlum für sich zu entdecken – außer ich weiß, dass die Person total auf dieses Vater/Sohn-mit-vielen-Komplexen-Ding abfährt. Höhö.







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Worum es geht:
von hier



There are monsters among us. There always have been and there always will be. I’ve known that since I can remember, just like I’ve always known I was one ... Well, half of one, anyway.

Welcome to New York City - a troll under the Brooklyn Bridge, a boggle in Central Park, and a beautiful vampire in a penthouse on the Upper East Side. Most humans are oblivious to the preternatural nightlife around them, but Cal Leandros is only half human.
His father’s dark lineage is the stuff of nightmares – and his entire otherworldly elf race are after Cal. His half brother, Niko, gave up college to keep them on the run for four years, but now the Grendel monsters are back. And Cal is about to learn why they want him. He is the key to unleashing their hell on earth. The fate of the human world will be decided in the fight of Cal’s life...






Was ich erwartet habe:

"Ohh, Urban Fantasy mit zwei Brüdern als Hauptcharakteren und Dämonen und Blut und Mord und Totschlag, das ist doch genau mein Ding, NEHME ICH!" Ich bin über irgendeine tumblr-Empfehlungsliste darauf gekommen und habe mir den ersten Band der Reihe über Tauschticket geholt (so viel habe ich nämlich dann doch gelernt, dass ich erst einmal vorsichtig sein und nicht viel Geld ausgeben sollte bei solchen Dingen…)


Was draus geworden ist

Ich bin absolut nicht glücklich mit diesem Buch, was sehr schade ist, weil ich Urban Fantasy normalerweise sehr schätze, aber das hier litt leider wie so viele Reihen unter total offensichtlichen sequel hooks, sehr stereotypen Charakteren (was unendlich schade ist) und einem grauenhaften Pacing.

Die sequel hooks hätte ich noch verzeihen können, doch die Tatsache, dass Niko praktisch ein unbesiegbarer Ninja ist, der sämtliche Kampfsportarten beherrscht, während er Shakespeare zitiert, und dabei noch uuuuunheimlich schön aussieht war einfach zu viel des Guten. Er ist ein völlig schamloser Gary Stu, was nicht ganz so schrecklich gewesen wäre, wenn das nur an Cal als unzuverlässigem Erzähler gelegen hätte, aber nein, Niko kann alles, weiß alles und ist in allem unschlagbar.

Cal hingegen ist sein nerviger, ständig alles kommentierender Sidekick, der mit seinen neunzehn Jahren schon so abgebrüht ist wie Indiana Jones mit sechzig. Es strengt nach einer Weile nur noch an, dieses stream of consciousness –Erzählen, genau so wie der "Auserwählten"-Scheiß (der wenigstens halbwegs clever gelöst wurde) und das ständige Betonen wie toll und speziell Cal doch ist ("Meine Mutter war vielleicht eine alkoholsüchtige Hure, aber trotzdem hat sie mir einen Namen aus Shakespeares Werken verpasst, der erstaunlich gut zu meinem Leben passt!").

Es fiel mir sehr schwer, mit irgendwem mitzufühlen – der jahrtausendealte Puck Robin Goodfellow, der als schmieriger Autoverkäufer sein Dasein fristet und sich in den überaus perfekten und wunderschönen und über alle Maßen brillanten Niko verliebt, war da noch am ehesten zu begreifen und das auch nur deswegen, weil er Cal genau so unerträglich findet wie der Leser (zumindest am Anfang).

Was für eine Enttäuschung.

Würde ich es empfehlen

Nein. Oder vielleicht nur jemandem, der noch nie irgendein Urban Fantasy-Buch angefasst hat und mit den Kriminalfällen aus "Rivers of London" nichts anfangen kann, denn wenn man noch nie irgendein Buch dieser Art gelesen hat, könnten die Tropes und Klischees möglicherweise ganz nett wirken.



Was für ein endloser Eintrag. Falls sich das irgendwer durchgelesen hat, Hut ab. xD Falls ich euch eins der Bücher näher bringen konnte, oder ihr der Meinung seid, dass ich mit meiner Einschätzung komplett daneben liege (oder goldrichtig), dann hinterlasst mir einen Kommentar, ich diskutiere gern endlos lang über belanglose Sachen. xDDD 

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