Und Satan weinte in Duisburg...
Jun. 16th, 2009 11:29 pmDa mir aufgefallen ist, dass ich noch nichts zu "Illuminati" schrieb, werde ich das jetzt tun, damit ich wenigstens etwas habe, was mich von der grässlichen Schande, Terminator 4 geguckt zu haben, ablenkt.
"Illuminati", basierend auf dem gleichnamigen Roman Dan Browns, beschreibt das zweite Abenteuer des Symbologen Robert Langdon, der sich diesmal nicht, wie im literarischen wie auch cineastischen Vorgänger "Sakrileg", mit Malern und deren kirchentheoretisch unliebsamen Symbolen auseinandersetzen muss, sondern das Herz der Kirche selbst zu retten hat. Denn einer der ältesten Feinde der Christenheit ist wieder aufgetaucht - die Illuminati - und versucht nun während der Wahl eines neuen Papstes, Vatikanstadt mithilfe von "Antimaterie" in die Luft zu sprengen. Eine wilde Jagd durch Rom beginnt, vorbei an alten Bauten, dieimmer geheimnisvoller werden, je näher man ihnen kommt, und mit immer atemloseren Blicken in die Geschichte.
"Illuminati" beginnt so, wie er die nächsten 138 Minuten zu bleiben gedenkt: Man sieht, wie der Camerlengo (im Folgenen das Chamäleon genannt oder Ewan McGregor ^^), die rechte Hand des Papstes sozusagen, im Beisein mehrerer Kardinäle das päpstliche Siegel zerstört und später den Trauerzug um den Petersplatz begleitet.
Eine solch ungewöhnliche Einsicht in die Sitten des Vatikans zeigt die Liebe zum Detail, mit der später auch Langdon (Tom Hanks) seine akribische Jagd nach dem Killer durchführt, welcher im Übrigen gedroht hat, die vier entführten Kardinäle umzubringen. Er springt von einem historischen Fakt zum anderen, meist zu schnell für die Vatikanpolizei, die sich aufgrund ihres charismatischen Führers Richter (Stellan Skarsgard und ich hab ihn nicht erkannt!!!) als eher hinderlich für die Ermittlungen erweisen, was den kauzigen Professor natürlich nicht aufhält.
Überhaupt ist Tom Hanks als Robert Langdon absolut liebenswert. Im Gegensatz zum ersten Film muss er hier keine halbgare Liebesgeschichte über sich ergehen lassen (THANK GOD!) und wirkt deshalb wie ein ältlicher, verrückter Professor, der den Vatikan eigentlich nur dann sehen will, wenn er in die Archive darf, um dort zu recherchieren. Seine Geringschätzung gegenüber der Kirche bringt er dann in kleinen Witzeleien unter, die, was ihn angeht, niemals ins Alberne abgleiten. So steht er zum Beispiel vor einem reichlich engstirnigen Richter und erklärt ihm "Hey. Ihr wollt was von mir." oder erklärt grinsend, dass er nichts gegen die Kirche, sondern nur etwas gegen Vandalismus habe. (Besonders schön fand ich die ersten paar Minuten des Synchronsprechers: Ich weiß nicht, ob der gute Mann einfach nur einen Schnupfen hatte, oder absichtlich so nasal und befremdend sprach, aber nichtsdestotrotz passte es wie die Faust aufs Auge.)
Seine Partnerin, die Physikerin Vittoria Vetra (Ayelet July Zurer), kommt am Anfang noch ein wenig gestelzt rüber, weil man ihr aufgrund ihrer Körpersprache die begnadete Naturwissenschaftlerin, die soeben Antimaterie erschaffen hat, nicht abkauft. Später jedoch, als sie Eigentum der Vatikanischen Archive beschädigt bzw. als Stichwortgeberin für weitere Anhaltspunkte dient, wird sie zu einer ernstzunehmenden Figur und auch die Antimaterie wirkt nicht mehr so bescheuert, wie in den ersten paar Minuten, in der sie erschaffen wird.
Hierin liegt eine Schwäche des Films, die allerdings nur Buchkennern auf den Magen schlagen dürfte, denn anstatt pseudowissenschaftlicher, halbwegs logischer Erklärungen wie im Roman, wird der Zuschauer hier vor vollendete Materie gestellt, was man neben den akuraten, historischen Fakten erst einmal verdauen muss. Das gelingt allerdings leicht, denn sobald klar ist, dass damit der Vatikan gesprengt werden soll, verliert man schnell das Interesse daran und gibt sich ganz den Mysterien hin, die Robert und Vittoria spielerisch und auf unterhaltsame Weise lüften.
Achtung, ab jetzt wird maßlos gespoilert!
Ein weiterer Pluspunkt ist Ewan McGregor, das Chamäleon. Die familiäre Bindung zum gerade verstorbenen Papst und die damit einhergehende emotionale Belastung, sowie die Sorge um die Sicherheit der Kardinäle und die dann überraschende Auflösung bezüglich, wer der Bösewicht ist, bietet er fantastisch dar, es wird niemals langatmig oder allzu kitschig. Die übertrieben scheinende Höflichkeit, die er an den Tag legt, mag ihn zwar am Anfang eindimensional wirken lassen, wird zum Schluss aber nachvollziehbar und sogar halbwegs überraschend. (Sein lustigster Satz zu Langdon, als der ihm im Priesterornat begegnet: "Würde es Sie überraschen, zu hören, dass Ihnen die Kleidung steht?" XD Man, man, das lässt das Fetischherz höher schlagen. Generell, Das Chamäleon im weißen Chorhemdchen bzw. im rabenschwarzen Priesterkleid.... yummy! Aber zurück zum Review:)
Sein Gegenpart, der Zeremonienmeister (Achim Müller Stahl) bleibt merkwürdig blass. Das mag allerdings an den bedeutungsschwangeren Dialogen liegen, die sich die beiden ständig liefern müssen, denn in der letzten Szene ("Gnädig. Aber innerhalb unserer Mauern." Brr, was ein Tötungsbefehl!) gewinnt er viel an Substanz und Autorität, die ihm bis zum (leider nicht mehr sehr weit entfernten) Ende bleibt.
Noch ein (zusammenhangloses) Wort zu den Spezialeffekten: Die Antimaterie, natürlich DER Brüller im Film, ist sehr dezent gehalten und sieht eher aus, wie eine kleine neblige Murmel ohne dabei total weltfremd zu erscheinen. Gut gelungen, wenn auch totale Entzauberung des berühmt-berüchtigten Gedankens der "Antimaterie". Die Verbrennungen sind ebenfalls durch die Bank weg sehenswert (was jetzt pervers klingt, aber ihr wisst, was ich meine!) und einzig eine Sache stört maßlos: Robert und Vetra besuchen das Pantheon, doch anscheinend hat man keine oder nur eine beschränkte Drehgenehmigung für die Innenräume bekommen, denn beim Eintritt der beiden sticht die Bluescreen und die hässlichen Computereinfügungen so deutlich hervor, als habe man sich soeben ins Jahr 1934 gebeamt und experimentiere nun mit Papphintergründen. Leute, das könnt ihr eindeutig besser. -..-
Insgesamt ist "Illuminati" zwei Stunden spannende Unterhaltung mit ein bisschen Galileo-Geschichtswissensvermittlung und einem sehr motivierten Darstellerquartett, bei dem es mehr um den Spaß an der Freude als an logische Anknüpfungspunkte in der Story geht.
"Illuminati", basierend auf dem gleichnamigen Roman Dan Browns, beschreibt das zweite Abenteuer des Symbologen Robert Langdon, der sich diesmal nicht, wie im literarischen wie auch cineastischen Vorgänger "Sakrileg", mit Malern und deren kirchentheoretisch unliebsamen Symbolen auseinandersetzen muss, sondern das Herz der Kirche selbst zu retten hat. Denn einer der ältesten Feinde der Christenheit ist wieder aufgetaucht - die Illuminati - und versucht nun während der Wahl eines neuen Papstes, Vatikanstadt mithilfe von "Antimaterie" in die Luft zu sprengen. Eine wilde Jagd durch Rom beginnt, vorbei an alten Bauten, dieimmer geheimnisvoller werden, je näher man ihnen kommt, und mit immer atemloseren Blicken in die Geschichte.
"Illuminati" beginnt so, wie er die nächsten 138 Minuten zu bleiben gedenkt: Man sieht, wie der Camerlengo (im Folgenen das Chamäleon genannt oder Ewan McGregor ^^), die rechte Hand des Papstes sozusagen, im Beisein mehrerer Kardinäle das päpstliche Siegel zerstört und später den Trauerzug um den Petersplatz begleitet.
Eine solch ungewöhnliche Einsicht in die Sitten des Vatikans zeigt die Liebe zum Detail, mit der später auch Langdon (Tom Hanks) seine akribische Jagd nach dem Killer durchführt, welcher im Übrigen gedroht hat, die vier entführten Kardinäle umzubringen. Er springt von einem historischen Fakt zum anderen, meist zu schnell für die Vatikanpolizei, die sich aufgrund ihres charismatischen Führers Richter (Stellan Skarsgard und ich hab ihn nicht erkannt!!!) als eher hinderlich für die Ermittlungen erweisen, was den kauzigen Professor natürlich nicht aufhält.
Überhaupt ist Tom Hanks als Robert Langdon absolut liebenswert. Im Gegensatz zum ersten Film muss er hier keine halbgare Liebesgeschichte über sich ergehen lassen (THANK GOD!) und wirkt deshalb wie ein ältlicher, verrückter Professor, der den Vatikan eigentlich nur dann sehen will, wenn er in die Archive darf, um dort zu recherchieren. Seine Geringschätzung gegenüber der Kirche bringt er dann in kleinen Witzeleien unter, die, was ihn angeht, niemals ins Alberne abgleiten. So steht er zum Beispiel vor einem reichlich engstirnigen Richter und erklärt ihm "Hey. Ihr wollt was von mir." oder erklärt grinsend, dass er nichts gegen die Kirche, sondern nur etwas gegen Vandalismus habe. (Besonders schön fand ich die ersten paar Minuten des Synchronsprechers: Ich weiß nicht, ob der gute Mann einfach nur einen Schnupfen hatte, oder absichtlich so nasal und befremdend sprach, aber nichtsdestotrotz passte es wie die Faust aufs Auge.)
Seine Partnerin, die Physikerin Vittoria Vetra (Ayelet July Zurer), kommt am Anfang noch ein wenig gestelzt rüber, weil man ihr aufgrund ihrer Körpersprache die begnadete Naturwissenschaftlerin, die soeben Antimaterie erschaffen hat, nicht abkauft. Später jedoch, als sie Eigentum der Vatikanischen Archive beschädigt bzw. als Stichwortgeberin für weitere Anhaltspunkte dient, wird sie zu einer ernstzunehmenden Figur und auch die Antimaterie wirkt nicht mehr so bescheuert, wie in den ersten paar Minuten, in der sie erschaffen wird.
Hierin liegt eine Schwäche des Films, die allerdings nur Buchkennern auf den Magen schlagen dürfte, denn anstatt pseudowissenschaftlicher, halbwegs logischer Erklärungen wie im Roman, wird der Zuschauer hier vor vollendete Materie gestellt, was man neben den akuraten, historischen Fakten erst einmal verdauen muss. Das gelingt allerdings leicht, denn sobald klar ist, dass damit der Vatikan gesprengt werden soll, verliert man schnell das Interesse daran und gibt sich ganz den Mysterien hin, die Robert und Vittoria spielerisch und auf unterhaltsame Weise lüften.
Achtung, ab jetzt wird maßlos gespoilert!
Ein weiterer Pluspunkt ist Ewan McGregor, das Chamäleon. Die familiäre Bindung zum gerade verstorbenen Papst und die damit einhergehende emotionale Belastung, sowie die Sorge um die Sicherheit der Kardinäle und die dann überraschende Auflösung bezüglich, wer der Bösewicht ist, bietet er fantastisch dar, es wird niemals langatmig oder allzu kitschig. Die übertrieben scheinende Höflichkeit, die er an den Tag legt, mag ihn zwar am Anfang eindimensional wirken lassen, wird zum Schluss aber nachvollziehbar und sogar halbwegs überraschend. (Sein lustigster Satz zu Langdon, als der ihm im Priesterornat begegnet: "Würde es Sie überraschen, zu hören, dass Ihnen die Kleidung steht?" XD Man, man, das lässt das Fetischherz höher schlagen. Generell, Das Chamäleon im weißen Chorhemdchen bzw. im rabenschwarzen Priesterkleid.... yummy! Aber zurück zum Review:)
Sein Gegenpart, der Zeremonienmeister (Achim Müller Stahl) bleibt merkwürdig blass. Das mag allerdings an den bedeutungsschwangeren Dialogen liegen, die sich die beiden ständig liefern müssen, denn in der letzten Szene ("Gnädig. Aber innerhalb unserer Mauern." Brr, was ein Tötungsbefehl!) gewinnt er viel an Substanz und Autorität, die ihm bis zum (leider nicht mehr sehr weit entfernten) Ende bleibt.
Noch ein (zusammenhangloses) Wort zu den Spezialeffekten: Die Antimaterie, natürlich DER Brüller im Film, ist sehr dezent gehalten und sieht eher aus, wie eine kleine neblige Murmel ohne dabei total weltfremd zu erscheinen. Gut gelungen, wenn auch totale Entzauberung des berühmt-berüchtigten Gedankens der "Antimaterie". Die Verbrennungen sind ebenfalls durch die Bank weg sehenswert (was jetzt pervers klingt, aber ihr wisst, was ich meine!) und einzig eine Sache stört maßlos: Robert und Vetra besuchen das Pantheon, doch anscheinend hat man keine oder nur eine beschränkte Drehgenehmigung für die Innenräume bekommen, denn beim Eintritt der beiden sticht die Bluescreen und die hässlichen Computereinfügungen so deutlich hervor, als habe man sich soeben ins Jahr 1934 gebeamt und experimentiere nun mit Papphintergründen. Leute, das könnt ihr eindeutig besser. -..-
Insgesamt ist "Illuminati" zwei Stunden spannende Unterhaltung mit ein bisschen Galileo-Geschichtswissensvermittlung und einem sehr motivierten Darstellerquartett, bei dem es mehr um den Spaß an der Freude als an logische Anknüpfungspunkte in der Story geht.
no subject
Date: 2009-06-27 07:20 pm (UTC)Diesmal definitiv viel straffer inszeniert (obwohl er glaub ich gar nicht viel kürzer ist - aber er fühlt sich eben kürzer an^^), Tom Hanks scheint auch besser zu passen (ich find ihn zwar immer noch nicht wirklich für die Rolle geeignet, aber er hat sich sehr gebessert im Vergleich zu "Sakrileg") und Ewan McGregor war anbetungswürdig.^^ Möglich, dass ich da auch etwas voreigenommen bin. ;)
Den trockenen Humor zwischendurch fand ich wunderbar, er passte einfach; ich mochte diesen einen Typen von der Schweizer Garde, der ständig mit Langdon runter ins Archiv musste (der war so herrlich arrogant^^), und Stellan Skarsgard war schön unsympathisch, so wie er sein muss, um den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. *g*
Die Hinrichtungen waren fies (v.a. die ersten beiden! Ich bin da was empfindlich, und die Ratte und das spritzende Blut waren... *schauder*) und der Attentäter hat den Job zu recht bekommen (und da war ich ehrlich gesagt dankbar für die Veränderung gegenüber dem Buch - da fand ichs nämlich zu dick aufgetragen!).
Das mit dem Synchronsprecher ist mir auch aufgefallen. Der Arne klang da etwas komisch. *g* Hat er in letzter Zeit aber öfters - er klang auch schon beim 2. Ice Age etwas seltsam. Naja, wird ja nicht jünger, ne?^^
War gute Unterhaltung! So wie die Bücher von Dan Brown eben.^^
Meine Freundin hat dann für unseren ganz persönlichen Lacher gesorgt, und zwar als Langdom un der ... Typ im Archiv eingeschlossen sind und Langdon mehrmals gegen die Glascheibe schießt. Und die dann spannungswirksam einige Zeit später zersplitter. Karina nur so: "Ja, wir wissen ja alle seit K-Glas, dass durch einen Steinschlag oder eine ähnliche Einwirkung feine Mikrorisse in der Scheibe entstehen können, die bei entsprechender Erschütterung die Scheibe früher oder später zerspringen lassen!" *nick* So isses! :D